Leitartikel zum Suchtbericht

Der legale Tod aus der Flasche

Rund 200.000 Drogentote gibt es jedes Jahr in Deutschland. Fast alle sterben an ganz legalen Drogen. Der gefährlichste Suchtstoff nach Tabak ist Alkohol. Trotzdem wird Alkoholismus meist verharmlost, verleugnet oder tabuisiert.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht: 10.04.2013, 12:34 Uhr
Sucht im Alter: Von den über 60-Jährigen haben bis zu drei Prozent der Männer und bis ein Prozent der Frauen Alkoholprobleme.

Sucht im Alter: Von den über 60-Jährigen haben bis zu drei Prozent der Männer und bis ein Prozent der Frauen Alkoholprobleme.

© Driving South / Fotolia.com

Als im August 2011 das Obduktionsergebnis der 27-jährigen Soulsängerin Amy Winehouse feststand, zeigten sich die Eltern erleichtert: Ihre Tochter war "nicht an Drogen gestorben".

Sie hatte bei ihrem Tod einen Blutalkoholspiegel von über vier Promille gehabt. Der Tod der Britin ist sicher ein Extremfall, aber er ist auch ein exemplarischer Fall. Er zeigt, dass Drogensucht meistens mit der Abhängigkeit von Kokain, Heroin oder anderen harten, illegalen Drogen gleichgesetzt wird.

Der Konsum von legalen Drogen wird dagegen gern verharmlost. Dabei richten Alkohol und Tabak weitaus mehr Schaden an als Rauschgift, wie der aktuelle Suchtbericht belegt.

Dem Bericht zufolge sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 200.000 Menschen an legalen Drogen, etwa 120.000 durch Tabak- und 74.000 durch Alkoholkonsum. Die Zahl der Toten durch illegale Drogen beläuft sich dagegen auf knapp 1000.

"Das ist also eine ganz andere Größenordnung. In der Wahrnehmung der Medien und der Öffentlichkeit ist das jedoch sehr verschoben", konstatiert Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

Die meisten Menschen glaubten, ihnen persönlich könne Alkohol nichts anhaben. So wie der ehemalige bayerische Innenminister Günther Beckstein, der sich in puncto Alkoholkonsum im Jahr 2010 ungewohnt liberal äußerte: "Ein gestandenes Mannsbild" sei auch nach zwei Maß Bier noch in der Lage, ein Auto zu steuern ...

Jetzt gleich lesen ... Jetzt gleich lesen ...

Mehr zum Thema
Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Wolfgang P. Bayerl

ich sehe schon, die Rauchertoten sind gemeint,

Herzinfarkt etc.

Dr. Wolfgang P. Bayerl

woher stammt die Zahl 200.000?

non credo


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Medizinhistoriker Prof. Karl-Heinz Leven erklärt, warum die Medien eine wichtige Rolle in der öffentlichen Pandemie-Debatte spielen und auf emotionale Sprachbilder von Experten besser verzichtet werden sollte.

Europäischer Gesundheitskongress

„Wir haben einen Corona-Dauerlauf vor uns“

Notfallversorgung: Eine aktuelle Umfrage unter deutschen Stroke Units zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Schlaganfalleinheiten in den Wochen des Lockdowns in Frühjahr jeweils rund 20 bis 30 Prozent weniger Schlaganfälle behandelt haben als in Vergleichszeiträumen.

Zweite COVID-19-Welle

Schlaganfallversorgung darf nicht wieder einbrechen!

Berichten von durchgehend positiven Erfahrungen nach der Niederlassung als Allgemeinmediziner: Dr. Laura Dalhaus und Dr. Tobias Samusch.

Zwei Ärzte berichten

Erfüllender Quereinstieg in die Allgemeinmedizin