Cholesterin

Diabetes-Schutz bei familiärer Hypercholesterinämie?

Bei familiärer Hypercholesterinämie ist das Risiko für Typ-2-Diabetes vermindert. Möglicherweise liegt das an der zellulären Aufnahme von Cholesterin.

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AMSTERDAM. Die familiäre Hypercholesterinämie (FH) ist eine erbliche Störung des Lipidstoffwechsels. Aufgrund von Mutationen in den Genen für den LDL-Rezeptor (LDLR) oder das Apolipoprotein B (APOB) wird weniger Cholesterin in die peripheren Gewebe aufgenommen und zirkuliert entsprechend mehr LDL-Cholesterin im Plasma.

Betroffene haben daher ein extrem hohes KHK-Risiko. Andererseits scheinen sie seltener an Typ-2-Diabetes zu erkranken, wie ein niederländisches Screening-Programm nahelegt (JAMA 2015; 313: 1029).

Von 1994 bis 2004 hatten sich dort 63.320 Patienten auf eine FH testen lassen. Bei 25.137 Patienten wurde die Erbkrankheit bestätigt; von ihnen waren 1,75 Prozent Typ-2-Diabetiker. Von den Verwandten ohne FH litten dagegen 2,93 Prozent an einem Typ-2-Diabetes.

Wurden Unterschiede in Alter, BMI, HDL-Cholesterin, Triglyzeriden, Statingebrauch und Raucherstatus berücksichtigt, ergab sich für die FH-Patienten sogar nur eine Diabetesprävalenz von 1,44 Prozent.

Die Diabetesraten korrelierten außerdem mit dem Schweregrad der Erkrankung, der von dem zugrunde liegenden Gendefekt abhängt. Träger von APOB-Mutationen haben nur mäßig erhöhte LDL-Cholesterin-Spiegel. Bei ihnen lag die adjustierte Diabetesrate bei 1,91 Prozent.

Einnahme von Statinen erhöht das Risiko eines Typ-2-Diabetes

Deutlich höhere LDL-Werte werden bei Patienten mit LDLR-Mutationen gemessen; dabei sind Rezeptor-negative Mutationen nochmals ungünstiger als Mutationen, die zu defekten Rezeptoren führen. In diesen Patientengruppen waren nur 1,44 Prozent (Defektmutation) und 1,12 Prozent (Rezeptor-negative Mutation) an Diabetes erkrankt.

Der Befund aus den Niederlanden passt zu einem anderen Zusammenhang, der bereits gut belegt ist: Durch die Einnahme von Statinen wird das Risiko eines Typ-2-Diabetes erhöht.

Die CSE-Hemmer blockieren die Cholesterinsynthese und bewirken dadurch eine stärkere Expression von membranständigen LDL-Rezeptoren, die wiederum für eine vermehrte zelluläre Aufnahme von Cholesterin sorgen; ihre Wirkung ist also genau gegensätzlich zu der einer FH.

"Der durch den LDL-Rezeptor vermittelte Transport von Cholesterin in die Zelle könnte demnach an der Pathogenese des Typ-2-Diabetes beteiligt sein", schließen die Studienautoren um Joost Besseling vom Academic Medical Center in Amsterdam.

Ihre Hypothese: Die erhöhten intrazellulären Cholesterinkonzentrationen auch im Pankreas könnten die Funktion der Betazellen beeinträchtigen. Bei einer FH wären die Betazellen dann vor dieser Schadwirkung geschützt. (bs)

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