Junge Ärzte

Diabetes kommt Fachgesellschaft im Studium zu kurz

Ist der medizinische Nachwuchs auf die Herausforderungen der Diabetesversorgung von Morgen vorbereitet? Eine Umfrage der Diabetesgesellschaft unter Studierenden lässt daran zweifeln.

Von Christoph Winnat Veröffentlicht: 21.10.2019, 11:45 Uhr

Berlin. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordert eine Nationale Diabetes-Strategie „die auch die Ausbildung des diabetologischen Nachwuchses sichert“. Derzeit kann nach Mitteilung der Fachgesellschaft jedenfalls nicht davon ausgegangen werden, dass junge Ärzte am Ende ihrer akademischen Ausbildung in Sachen Diabetes sattelfest wären. „Die ärztliche Nachwuchsgewinnung und -qualifizierung“, heißt es, erscheine „verbesserungswürdig“.

Das gehe aus einer aktuellen DDG-Umfrage hervor, an der sich 202 Studierende, Studenten im Praktischen Jahr sowie Lehrbeauftragte beteiligt hätten. Demnach erachteten nur die Hälfte der Befragten das derzeitige Lehrangebot zur Diabetologie als ausreichend. Ebenfalls lediglich die Hälfte gab an, sich in Behandlungsentscheidungen bei Diabetes „sicher zu fühlen“.

Über Möglichkeiten zu praktischen Versorgungs-Erfahrungen durch Hospitation, Famulatur oder Praktika seien 60 Prozent der Befragten nicht informiert gewesen. Darüber hinaus habe die Erhebung verdeutlicht, dass Diabetes „vor allem in der Vorlesung für Innere Medizin abgehandelt und nicht als Querschnittsfach gelehrt wird, das auch Kenntnisse etwa der Augenheilkunde, Neurologie und Gefäßchirurgie erfordert“.

Diese Ergebnisse, so DDG-Sprecher Baptist Gallwitz, signalisierten, „dass Diabetes nicht ausreichend im Studium thematisiert wird“. Für die DDG-Präsidentin Professor Monika Keller ist die Qualifizierung des ärztlichen Nachwuchses auch eine Frage der Versorgungsgerechtigkeit. Keller: „Regionale Versorgungsunterschiede werden wegen geringer Zahlen von diabetologischen Fachärzten künftig wohl weiter zunehmen“. Dann seien verstärkt Allgemeinmediziner gefordert, die sich in der Diabetesversorgung auskennen.

Auch unter diesem Gesichtspunkt und in Anbetracht der nach Expertenmeinung rapide wachsenden Diabetes-Inzidenz dulde die Umsetzung einer Nationalen Diabetes-Strategie „keinen weiteren Aufschub“, so die DDG-Präsidentin.

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