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Hintergrund

Diabetiker brauchen eine ballaststoffreiche Kost

Zuviel Eiweiß und zu wenig Ballaststoffe bewirken, dass Übergewichtige schlechter auf Insulin reagieren.

Von Inge Smolek Veröffentlicht:
Aufgeschnittenes Mehrkornbrot, dekoriert mit Weizenkörnern und Getreideähren: Eine Studie bestätigte die Annahme, dass unlösliche Balaststoffe aus Getreide einen wertvollen Beitrag zur Diabetes-Prävention leisten können.

Aufgeschnittenes Mehrkornbrot, dekoriert mit Weizenkörnern und Getreideähren: Eine Studie bestätigte die Annahme, dass unlösliche Balaststoffe aus Getreide einen wertvollen Beitrag zur Diabetes-Prävention leisten können.

© Smileus / fotolia

Eine Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) zeigt, dass eine hohe Eiweißaufnahme zumindest vorübergehend die Insulinwirkung übergewichtiger Menschen verschlechtert.

Unlösliche Ballaststoffe aus Getreide verbesserten hingegen die Insulinempfindlichkeit der Probanden. Die Studie zeigt zudem erstmals Wirkmechanismen auf, wie Eiweiß- und Ballaststoffaufnahme die Insulinwirkung beeinflussen könnten.

Große Beobachtungsstudien weisen seit längerem darauf hin, dass ein hoher Eiweißverzehr und eine hohe Aufnahme unlöslicher Ballaststoffe aus Getreide sich gegensätzlich auf die Insulinwirkung und damit auch auf das Diabetes-Risiko auswirken.

Lösliche Ballaststoffe haben keinen Einfluss auf das Diabetes-Risiko

Die Aufnahme löslicher Ballaststoffe scheint dabei keine klaren Effekte zu haben. Sie wirken einerseits günstig auf die Blutfette, den glykämischen Index sowie die Fermentation im Dickdarm, haben aber auf das Diabetes-Risiko keinen Einfluss. Die ursächlichen Zusammenhänge sind bisher aber nur wenig erforscht.

Die vorliegende Untersuchung sollte dazu beitragen, die zugrunde liegenden Wirkmechanismen zu erkennen. Das Wissenschaftlerteam unter Leitung von Dr. Martin O. Weickert, assoziierter Professor an der Universität Warwick in Großbritannien, und Professor Andreas F. H. Pfeiffer, Leiter der Abteilung Klinische Ernährung am DIfE, publizierten erste Daten der Studie im American Journal of Clinical Nutrition (online 1. Juni 2011).

Plausible Erklärung für schützende Wirkung unlöslicher Ballaststoffe aus Getreide

Neu an der Studie ist, dass mit ihr nicht nur die Einzeleffekte einer hohen Ballaststoff- oder Eiweißaufnahme auf molekularer und Stoffwechselebene analysiert werden, sondern auch deren synergistischen Effekte.

"Wie unsere Daten zeigen, könnte ein hoher Eiweißverzehr direkt die zelluläre Weiterleitung des Insulinsignals beeinflussen, da er zum Konzentrationsanstieg des Signalproteins S6K1 im Fettgewebe führt. Steigt der S6K1-Spiegel, so verschlechtert sich die Insulinwirkung", erklärt Weickert.

"Die Studienergebnisse geben zudem erstmals eine plausible Erklärung für die schützende Wirkung unlöslicher Ballaststoffe aus Getreide", so Weickert.

Getreide hebt den Effekt von Eiweiß wieder auf

"Mithilfe mehrerer Untersuchungen stellten wir fest, dass unter einer Diät, die gleichzeitig viel unlösliche Ballaststoffe und viel Eiweiß enthält, weniger Eiweiß aus dem Darm aufgenommen wird. Die ungünstige Wirkung des Eiweiß könnte so durch die Ballaststoffe nachhaltig kompensiert werden."

Und Pfeiffer sagt: "Die Resultate unterstützen die Annahme, dass eine erhöhte Zufuhr von unlöslichen Ballaststoffen aus Getreide einen wertvollen Beitrag zur Diabetes-Prävention leisten kann."

An der Studie nahmen 111 übergewichtige Typ-2-Diabetes-gefährdete Erwachsene teil, wobei 84 Probanden bis zum Ende der Studie durchhielten.

Die zweiphasige Intervention dauerte 18 Wochen. In dieser Zeit wurden die Probanden gezielt mit vier verschiedenen Diäten ernährt. Parallel führten die Forscher und Mediziner umfangreiche Stoffwechsel-Untersuchungen durch.

Teilnehmer in vier Gruppen eingeteilt

Während der Interventionsphase wurden die Teilnehmer in vier Gruppen aufgeteilt, die jeweils eine bestimmte Diät einhalten mussten. Dabei basierten alle Diäten auf einer ausgewogenen Kost mit Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, einem Basisanteil an Ballaststoffen sowie Milchprodukten. Bei allen Diäten trug der Fettanteil zu 30 Prozent zur aufgenommen Tagesenergie bei, und alle Diäten wiesen den gleichen Brennwert auf.

Um den Anteil an unlöslichen Ballaststoffen und an Eiweiß in den entsprechenden Diäten zu beeinflussen, erhielten alle Studienteilnehmer einschließlich der Kontrollgruppe zusätzlich Supplemente mit maßgeschneiderten Anteilen an unlöslichen Getreideballaststoffen oder Eiweißextrakten aus Molke und Erbsen.

Die Kontroll-Diät enthielt 17 Prozent Eiweiß, 52 Prozent Kohlenhydrate, 14 - 15 g Getreideballaststoffe. Im Vergleich dazu die eiweißreiche Diät 26 - 28, 43 - 45 Prozent und 13 - 14 g; die ballaststoffreiche Diät 17, 51 - 52 Prozent und 41 - 43 g sowie die Mix-Diät 22 - 23, 44 - 46 Prozent und 26  g (Eiweiß, Kohlenhydrate und Getreideballaststoffe).

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