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Diabetische Retinopathie ist kein Spätsyndrom

WIESBADEN (hbr). Die diabetische Retinopathie ist die häufigste mikrovaskuläre Komplikation bei Diabetes. Symptome zeigen sich aber meist erst im Spätstadium. Diabetiker sollten deshalb jedes Jahr augenärztlich untersucht werden, erinnert Professor Hans-Peter Hammes von der Universitätsklinik Mannheim.

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Das gilt für Typ-2-Diabetiker direkt ab der Diagnose. Denn: "Die diabetische Retinopathie ist kein Spätsyndrom", betonte Hammes beim Symposium für Praktische Diabetologie in Wiesbaden. Jeder dritte Typ-2-Patient hat schon bei der Diagnose Netzhautschäden. Schon bei gestörter Glukosetoleranz und abnormer Nüchternglukose findet sich der Spätschaden bei jedem Zehnten.

  Jeder dritte Diabetiker hat schon bei der Diagnose eine Retinopathie.

Daten, nach denen jeder zweite Typ-1-Diabetiker innerhalb von 20 Jahren eine den Visus bedrohende fortgeschrittene Retinopathie entwickelt, sind wegen der mittlerweile besseren Blutzuckerwerte veraltet. Bei sehr schlechter Einstellung gilt das aber weiterhin.

Bei schon vorhandenen Läsionen sind häufigere Checks erforderlich. Mindestens dreimonatliche Kontrollen gelten auch für Schwangere, weil bei ihnen der Verlauf nicht vorhersagbar ist.

Als erstes zeigen sich bei milder nicht-proliferativer Retinopathie Mikroaneurysmen. Intraretinale Blutungen und perlschnurartige Venen bei mäßiger und schwerer Ausprägung und der Übergang zur proliferativen Form können folgen. Das kann schnell gehen: Innerhalb eines Jahres gelangen 4,5 Prozent der Patienten vom milden Stadium dorthin, zwölf Prozent mit mäßiger und 52 Prozent mit schwerer nicht-proliferativer Retinopathie.

Ein Mikroaneurysma im Auge wird damit zu einem wichtigen Befund. Und die Zahl der Aneurysmen ist ein Indikator für das Fortschreiten zur proliferativen Retinopathie. Diese ist ein Indikator, daß das Risiko für eine kardiovaskuläre Komplikation erhöht ist. "Arbeiten Sie mit Ophthalmologen zusammen, die sorgfältig dokumentieren, ob die winzigen Läsionen vorhanden sind" empfiehlt Hammes eindringlich.

Gute Senkung der Glukosewerte kann die Progression mindern. Zudem sollte ein Bluthochdruck gesenkt werden. In der Steno-2-Studie, bei der das Ziel war, Blutfette, Blutzucker und Blutdruck zu normalisieren, besserte Intensiv-Therapie die Gefäßsituation generell - auch die Aussichten für eine Retinopathie.

Schäden sind aber nicht mehr reversibel, auch Mikroaneurysmen nicht: Wenn ein solches bei der Kontrolle nicht mehr zu sehen ist, so Hammes, "dann nur., weil das Blut nicht mehr durchfließt". Eine früher gute Stoffwechseleinstellung wirke bis zu vier Jahre nach.

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