Diagnose der MS wird immer effizienter

In der MS-Diagnostik tut sich was: Stärkere MRT-Geräte erkennen auch kleine Schäden, und mit besseren Kontrastmitteln werden mehr Läsionen entdeckt.

Von Martin Wiehl Veröffentlicht:

MONTREAL. Mit einer Verdoppelung der Magnetfeldstärke von 1,5 auf 3 Tesla im MRT lässt sich die Krankheitsaktivität bei MS wesentlich besser darstellen. Und neue Kontrastmittel wie Gadofluorin können deutlich mehr Läsionen im Gehirn sichtbar machen. In der Diagnose, besonders in der Früherkennung, aber auch in der therapeutischen Verlaufskontrolle hat sich die MRT als fester Bestandteil etabliert. Sowohl was die manifesten pathologischen Veränderungen im ZNS als auch was inflammatorische Vorgänge anbelangt, hängt die Aussagekraft der diagnostischen Systeme allerdings ganz vom Stand der Technik und ihrer Verfügbarkeit ab.

Inflammatorische Infiltrate werden sichtbar gemacht

Daran hat Professor Robert Zivadinov aus Buffalo im US-Staat New York hingewiesen. Vor allem bei einem möglichst frühen Behandlungsbeginn sei man auf hochauflösende bildgebende Verfahren angewiesen, so Zivadinov beim MS-Kongress WCTRIMS in Montreal in Kanada. Durch die höhere Feldstärke werden auch kleinere Läsionen sowie inflammatorische Infiltrate sichtbar, die ansonsten unentdeckt blieben.

Auch mit der Anwendung eines effizienteren Kontrastmittels ließen sich noch wesentlich bessere Aussagen erzielen, so Professor Guido Stoll aus Würzburg. Im Tier-Modell für MS können mit dem neuen Kontrastmittel Gadofluorin fünf- bis zehnmal mehr entzündliche Herde sichtbar gemacht werden als mit dem Standardkontrastmittel Gadolinium. Bisher unerkannte Entmarkungsregionen im Gehirn und Nervensystem, besonders im schwer zugänglichen Rückenmark und im Nervus opticus, wurden detektiert. Da sich die Substanz bevorzugt an die extrazelluläre Matrix entzündlicher Läsionen im Nervensystem bindet und nur in geringem Umfang rückperfundiert, ist sie auch hervorragend geeignet, Leckagen in der Blut-Hirn-Schranke aufzuspüren.

Interessanterweise stellte sich heraus, dass die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke keineswegs mit einer vermehrten Infiltration von Makrophagen korreliert.

Unzureichend: Stabilisierung der Blut-Hirn-Schranke

So ergab ein Tierexperiment mit Eisenbeladung von Makrophagen, dass Monozyten auch eine intakte Blut-Hirn-Schranke durchdringen können. Somit scheinen Makrophagen-Infiltration und Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke zwei völlig unabhängige Faktoren in der Pathogenese der MS zu sein. Therapieansätze, die lediglich auf eine Stabilisierung der Blut-Hirn-Schranke zielen, reichen wohl nicht aus, folgerte Stoll.

Diese Einschätzung bestätigte Professor Wolfgang Brück aus Göttingen mit Ergebnissen aus der Grundlagenforschung. So ist eine axonale Degeneration sowohl der weißen als auch der grauen Substanz bereits in einem frühen Stadium der MS festzustellen. Dabei scheint das spezifische Immunsystem mit T-Zell-Aktivierung, Antikörper-Bildung und Rekrutierung von Mikroglia eine hohe Bedeutung zu haben. Brück betonte, dass auch die frühen Schädigungen der grauen Substanz nicht ohne eine Beteiligung inflammatorischer Prozesse vonstattengehen.

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