KHK / Herzinfarkt

Direkter Thrombinhemmer schützt bei hohem Blutungsrisiko

MANNHEIM (grue). Bei perkutaner Koronarintervention (PCI) soll die antithrombotische Begleittherapie vor einer Ischämie schützen, ohne dass sich damit das Blutungsrisiko erhöht. Hier den richtigen Mittelweg zu finden, erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl.

Veröffentlicht: 29.05.2007, 08:00 Uhr

Die Wahl der antithrombotischen Therapie werde bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS) am besten anhand einer Risikoeinschätzung getroffen, hat Professor Heribert Schunkert aus Lübeck bei einer Veranstaltung von Nycomed in Mannheim gesagt. Dafür wird das individuelle Ischämie-Risiko eines Patienten seinem möglichen Blutungsrisiko gegenübergestellt. Im Prinzip muss umso stärker antikoaguliert werden, je größer die Gefahr für Minderdurchblutung ist.

Das Ischämie-Risiko wird mit Hilfe des sogenannten TIMI-Scores bestimmt, der Risikofaktoren wie höheres Alter, Troponinerhöhung und ST-Strecken-Veränderung berücksichtigt. Für das Blutungsrisiko gibt es keinen so einfachen Score, es hängt unter anderem mit dem Lebensalter, dem Körpergewicht und der Nierenfunktion zusammen. "Es ist aber wichtig, ein mögliches Blutungsrisiko zu berücksichtigen, denn bei Blutungen nach PCI verdreifacht sich das Sterberisiko", so Schunkert. Größere Blutungen sind durch einen Hämoglobin-Abfall von mehr als 5 g/dl oder einen Verlust von etwa zwei Litern Blut gekennzeichnet.

Bei hohem Blutungsrisiko empfiehlt Schunkert eine Antikoagulation mit dem direkten Thrombinhemmer Bivalirudin (Angiox®), der bei hohem Ischämierisiko mit einem GP-IIb/IIIa-Hemmer kombiniert werden kann. "Bivalirudin wirkt so zuverlässig antithrombotisch wie unfraktioniertes Heparin, führt aber seltener zu Blutungen", so Schunkert. Dies belegt eine Studie mit interventionell behandelten Patienten mit akutem Koronarsyndrom. Die Patienten hatten zu einer Basistherapie Bivalirudin oder das Enoxaparin plus einen GPIIb/IIIa-Hemmer erhalten. Mit Bivalirudin-Gruppe hatten drei Prozent eine größere Blutung im ersten Monat, so viele wie im Vergleichsarm.



STICHWORT

TIMI Score

Folgende Parameter werden für den TIMI-Score bei Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt erhoben (JAMA 284, 2000, 835): Alter ab 65 Jahren, Zahl der kardiovaskulären Risikofaktoren, KHK, ST-Senkung bei Aufnahme, mehr als eine Schmerzepisode in 24h, anteriore ST-Hebung oder Linksschenkelblock, erhöhte Herzenzyme. (eb)

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