Schilddrüsenknoten

Drei Kriterien für die Schilddrüsen-Biopsie

Mikrokalk, Größe von mehr als 2 cm, vollständig solide Konsistenz - diese drei sonografischen Kriterien sind mit dem Risiko für Malignität eines Schilddrüsenknotens assoziiert.

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht:
Drei sonografischen Kriterien sprechen für die Malignität eines Schilddrüsenknotens.

Drei sonografischen Kriterien sprechen für die Malignität eines Schilddrüsenknotens.

© Alerfalter / fotolia.com

SAN FRANCISCO. An der retrospektiven Fall-Kontroll-Studie, geleitet von der Radiologin Rebecca Smith-Bindman (University of California, San Francisco), waren 8806 Patienten beteiligt (JAMA Intern Med 2013, online 26. August).

Bei 105 von ihnen wurde schließlich Schilddrüsenkrebs diagnostiziert. Knoten wiesen 96,6% der Krebspatienten und 56,4% der Probanden auf, die kein Karzinom entwickelten. Die Prävalenz von Schilddrüsenkrebs bei Patienten mit Knoten lag bei 1,6%.

Drei sonografisch erfassbare Merkmale der Knoten waren mit dem Malignitätsrisiko assoziiert: das Vorhandensein von Mikrokalzifikationen (Risikosteigerung um den Faktor 8,1), vollständig solide Konsistenz (Faktor 4) und eine Größe von mehr als 2 cm (Faktor 3,6).

Nähme man jedoch bereits das Vorliegen eines einzigen dieser Charakteristika als Grund, eine Biopsie anzuordnen, würde man zwar nahezu sämtliche Karzinome entdecken (Sensitivität 88%).

Die Rate falsch positiver Ergebnisse würde aber mit 44% recht hoch ausfallen. Um einen Krebsfall zu diagnostizieren, müssten 56 Biopsien gemacht werden.

Besser sähe es aus, forderte man das Vorliegen von mindestens zwei der drei Kriterien. Die Sensitivität würde zwar auf 56% sinken, die Rate falsch positiver Ergebnisse läge aber nur noch bei 7%. Um einen Krebs zu entdecken, wären 16 Biopsien nötig.

Experten biopsieren, wenn Knoten solide und größer als 2 cm ist

Das Malignitätsrisiko von Knoten, die höchstens eines der Kriterien erfüllen, liegt den Studiendaten gemäß bei 0,5%. Sofern man dies für einen akzeptablen Wert hält, lautet der Vorschlag von Smith-Bindman, immer dann zu biopsieren, wenn Mikrokalzifikationen vorliegen oder der Knoten solide und größer als 2 cm ist.

Schilddrüsenknoten sind häufig, klinisch manifester Schilddrüsenkrebs ist selten - es gibt also Anlass, Unterscheidungskriterien im Vorfeld invasiver Maßnahmen zu definieren.

Dass dies den Autoren der vorliegenden Studie gelungen ist, bezweifeln die Endokrinologen Erik Alexander (Harvard Medical School, Boston) und David Cooper (Johns Hopkins University School of Medicine, Baltimore) in einem Kommentar.

Sie verweisen auf die außerordentlich geringe Prävalenz von Schilddrüsenkrebs im Studienkollektiv, die um den Faktor 5 bis 10 unter jener von Populationen liegt, bei denen konsekutiv Schilddrüsenknoten beurteilt worden sind. Sie plädieren dafür, die bisherige Praxis beizubehalten.

Demnach wäre eine Biopsie angezeigt, wenn Schilddrüsenknoten größer als 1-1,5 cm, echoarm und mikroverkalkt sind. Rein zystische und/oder spongiforme Knoten könne man meist konservativ beobachten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Ungelöstes Knotenproblem

Mehr zum Thema

Hyperthyreose

Radiojodtherapie erhöht Krebsrisiko offenbar nur wenig

Das könnte Sie auch interessieren
Neues und Wissenswertes rund um das Thema Schilddrüse

© Nerthuz / iStock

Kleines Organ ganz groß

Neues und Wissenswertes rund um das Thema Schilddrüse

Kooperation | In Kooperation mit: Sanofi-Aventis
PD Dr. Joachim Feldkamp (links), Internist und Endokrinologe vom Klinikum Bielefeld-Mitte und Prof. Dr. Markus Luster (rechts), Nuklearmediziner vom Uniklinikum Gießen-Marburg

© [M] Feldkamp; Luster; Sanofi-Aventis

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Bei erhöhtem TSH-Wert nicht gleich die Diagnostik-Maschinerie starten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis
Management tumorassoziierter VTE

© Leo Pharma GmbH

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige | Leo Pharma GmbH
OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

© Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA

CAR-T-Zelltherapie

OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Der Wunsch nach Hilfe bei der Selbsttötung, ist bei Patienten im Pflegeheim keine Seltenheit. Ärzte und Pfleger sollten sich im Team besprechen und das Vorgehen unbedingt dokumentieren.

© rainbow33 / stock.adobe.com (Symbolbild)

Leitfaden für Ärzte

Sieben Tipps zum Umgang mit dem Wunsch nach assistiertem Suizid

Verdacht auf Tuberkulose: Bei Patienten mit therapieresistenter Erkrankung hat sich ein verkürztes Behandlungsregime als wirksam und recht gut verträglich erwiesen.

© dalaprod / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)

Erfolgreiche Phase II/III-Studie

Resistente Tuberkulose in nur sechs Monaten im Griff