Sexualanamnese

ED auch schon in jungen Jahren

Die erektile Dysfunktion ist einer italienischen Studie zufolge keineswegs selten in der Altersgruppe der unter-40-Jährigen. Bei jedem zweiten Betroffenen liegt sogar eine schwere Störung vor.

Veröffentlicht:
Unzufrieden: Liegt es womöglich an einer Dysfunktion?

Unzufrieden: Liegt es womöglich an einer Dysfunktion?

© detailblick / fotolia.com

CATANZARO. Die übliche Klientel für Erektionsprobleme sind meist alternde Männer - denkt man allgemein. Doch von Jüngeren lagen hierzu bislang offenbar nur zu wenige Daten vor.

Deshalb nahmen die Autoren der Studie insbesondere Männer unter 40 genauer unter die Lupe (J Sex Med 2013; 10 (7): 1833-1841). Untersucht wurden insgesamt 790 Männer, die wegen einer sexuellen Dysfunktion in einer Universitätsambulanz Rat suchten.

Bei 55,6 Prozent wurde eine ED diagnostiziert. Diese Patienten wurden für die retrospektive Analyse je nach Alter in zwei Gruppen eingeteilt (= 40 Jahre und . 40 Jahre). Rund 26 Prozent der ED-Patienten waren maximal 40 Jahre alt.

Bei Männer unter 40 Jahre mehr RaucherBei ihnen fanden sich naturgemäß weniger Komorbiditäten, ihr Body-Mass-Index war niedriger und das Gesamttestosteron höher als bei den Männern jenseits der 40.

Allerdings rauchten sie häufiger und konsumierten mehr illegale Drogen als die Älteren. Unter einer Ejaculatio praecox litten vorwiegend junge Männer, während eine Induratio penis plastica überwiegend bei den über 40-Jährigen vorlag.

Hoher Anteil an schweren Formen der ED

Hinsichtlich des Schweregrades der ED nach dem International Index of Erectile Function (IIEF) wurden keine signifikanten Altersunterschiede festgestellt. Bei 49 Prozent der jüngeren und 40 Prozent der älteren Männer bestand bereits eine schwere Form der Störung.

Zwar könnten aufgrund des Studiendesigns keine kausalen Schlüsse gezogen werden, so die Autoren, doch sei es durchaus denkbar, dass die Besonderheiten im Lebensstil der jüngeren Männer (Rauchen, Drogen) zusammen mit weiteren Faktoren zu einer Verschlechterung von Erektionsstörungen beitrügen.

Als besonders bemerkenswert beurteilen die Autoren den hohen Anteil schwerer Formen der ED bei den Jungen. Aus diesem Grund schlagen sie vor, die Sexualanamnese in der täglichen Praxis auf Männer aller Altersgruppen auszuweiten.

Zudem sollte ihrer Ansicht nach in weiteren Studien untersucht werden, inwieweit die ED einen möglichen Vorboten anderer Erkrankungen bei jungen Männern darstellen kann. (St)

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

DGIM-Kongress

Sepsis-Verdacht: Eine Stunde, fünf essenzielle Maßnahmen

Allokation von Ressourcen in schwierigen Zeiten

Allgemeinmedizin, das ist „lebenslange Präzisionsmedizin“

Lesetipps
Klinische Daten sind spärlich: EM-Aufnahme von Phagen.

© Matthew Dunne / ScopeM / ETH Zürich

Viele Studien, wenig Evidenz

Phagentherapie – der lange Weg in die klinische Anwendung

Dr. Markus Wenning, Ärztlicher Geschäftsführer der Ärztekammer Westfalen-Lippe

© Sophie Schüler

Versorgungslage

Ärztemangel? Prognose: Schwindsucht

Internist und Intensivmediziner Professor Christian Karagiannidis appellierte beim DGIM-Kongress: Die ärztliche Weiterbildung müssen in Zukunft sektorenübergreifender gedacht werden.

© Sophie Schüler

Junges Forum auf dem DGIM-Kongress

Rotationsweiterbildung – bald der neue Standard?