Direkt zum Inhaltsbereich

Ein Jahr mit transplantiertem Gesicht

PARIS (dpa). Isabelle Dinoire ist die erste Patientin mit einer Gesichts-transplantation. Ein Jahr nach dem Eingriff ziehen ihre Ärzte eine positive Bilanz. Solche Operationen beginnen sich zu etablieren.

Veröffentlicht:

Vor einem Jahr, am 27. November, verhalf ein Ärzteteam um die Professoren Jean-Michel Dubernard und Bernard Devauchelle der Französin Isabelle Dinoire in einer weltweit aufsehenerregenden Operation wieder zu einem Antlitz (wir berichteten).

Sie übertrugen ihr das untere Teil des Gesichts einer hirntoten Organspenderin - ein Dreieck aus Nase, Mund und Kinn. Dinoires Gesicht war von ihrem Hund zerfetzt worden: Die Zähne lagen offen, ohne Lippen.

"Es geht ihr gut. Sie wird Anfang des kommenden Jahres in der Nähe von Valenciennes in Nordfrankreich ihre Arbeit als Sekretärin wieder aufnehmen", berichtete Chirurg Devauchelle. "Unsere Patientin ist umgezogen, sie streicht selbst ihre neue Wohnung und ist normal körperlich aktiv", sagte er auf einem Kongreß.

Das Gesichtsdreieck, das nicht der Patientin gehörte, habe sich gut eingefügt. Vor allem hat sich die Frau in ihrem sozialen Umfeld wieder gut eingelebt: Der Kollege hält zufrieden fest, daß jene, die mit Isabelle Dinoire zusammenkommen, sich von dem psychologischen Gewinn der Transplantation überzeugt haben.

Den Anflug eines Lächelns hatte Isabelle Dinoire bereits bei ihrem Presseauftritt zweieinhalb Monate nach der aufwendigen Operation in Amiens gezeigt. Nur eine Woche nach der Op war sie durch den Mund ernährt worden.

Zum Jahreswechsel tauchten indessen Komplikationen auf. Das neue Gewebe mußte mit Medikamenten massiv vor einer Abstoßung geschützt werden. Im Februar gaben die Ärzte aber Entwarnung: "Jetzt gehört das Transplantat ganz ihr. Sie gewinnt das Gefühl im Gesicht wieder, das ist mehr, als wir zu hoffen wagten."

Der Damm für Gesichtstransplantationen scheint nach diesem erfolgreichen Eingriff gebrochen. Im April erhielt ein 30jähriger Mann in China eine neue Wange, Oberlippe, Nase und Augenbraue. Ein Bär hatte den Bauern angegriffen und schwer entstellt. Zwei Drittel des Gesichts wurden erneuert. Britische Ärzte wollen in einigen Monaten die erste vollständige Transplantation eines Gesichts vornehmen. Transplantationen wurden auch in anderen Ländern erlaubt.

Dinoires Ärzte dürften zufrieden sein. Hatten sie doch Kritik zu hören bekommen - weil sie der Patientin statt mit einer herkömmlichen Operation zu einem Gesichtsteil verholfen haben, das nicht ihres war.

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Galenus-Kandidat 2026

Verzögerte Progression beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Schmerzen verhindern

Das sind die aktuellen medikamentösen Ansätze bei Endometriose

Digitale Helfer

KI im Alltags-Check: So urteilen zwei Kollegen

Lesetipps
Das Gerät kann als Spachtel, Otoskop, Thermometer oder Stethoskop eingesetzt werden. Auf dem Display wird von DIHVA Undine Tischmeyer angegeben, was untersucht werden soll.

© Julia Frisch

Techniker Krankenkasse unterstützt Projekt

Hausbesuche neu gedacht: Auch Laien können als DIHVA die Praxen entlasten