PAVK

Ein wachsendes Problem

Die PAVK stellt das Gesundheitswesen in Deutschland medizinisch und ökonomisch vor immer größere Herausforderungen. Forscher aus Münster haben jetzt genau hingeschaut - mit unerwarteten und erschreckenden Ergebnissen.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
Der Knöchel-Arm-Index bei PAVK-Verdacht wird bestimmt.

Der Knöchel-Arm-Index bei PAVK-Verdacht wird bestimmt.

© Arteria Photography

MÜNSTER. Die Prävalenz der PAVK nimmt in Deutschland deutlich zu. Das geht aus einer neuen Analyse von Daten zur stationären Versorgung von PAVK-Patienten hervor. Danach ist speziell die Zahl der Patienten mit schwerer PAVK (kritische Extremitätenischämie) sehr stark angestiegen.

Initiator der Studie ist eine Arbeitsgruppe um Professor Holger Reinecke, Abteilung für Kardiologie und Angiologie an der Uniklinik Münster.

Die Forscher machten sich dabei die 2003 erfolgte Umstellung auf das Fallpauschalen-System (G-DRG) bei der Abrechnung stationärer Krankenhausleistungen zunutze.

Mit den dafür transferierten und gespeicherten kodierten Daten war erstmals die Möglichkeit gegeben, bestimmte Erkrankungen im Zeitverlauf bei stationären Patienten im gesamten deutschen Gesundheitssystem zu erforschen.

Auf Basis entsprechender Daten aus den Jahren 2005, 2007 und 2009 haben Studienleiter Dr. Nasser Malyar und seine Kollegen Entwicklungstrends bezüglich PAVK-Prävalenz, Komorbidität, Revaskulariationen (endovaskulär und chirurgisch), Amputationen und Kosten untersucht (Eur Heart J 2013; online 17. Juli).

Informationen dazu gab es bisher so gut wie nicht, sagte Malyar im Gespräch mit Springer Medizin.

PAVK-Hospitalisationen: Anstieg um 21 Prozent

Zwischen 2005 und 2009 stieg demnach in Deutschland die Gesamtzahl aller Hospitalisationen von 15 Millionen auf 16,2 Millionen. In der gleichen Zeit kletterte die Zahl aller PAVK-bedingten Klinikaufenthalte von 400.929 auf 483.961 - eine Zunahme um 20,7 Prozent in knapp fünf Jahren.

In Relation zu Gesamtsumme aller Hospitalisationen war der Anstieg bei den PAVK-Hospitalisationen damit überproportional stärker. Auffällig war die besonders starke Zunahme von schweren PAVK-Fällen (Fontaine-Stadium IV) um 32 Prozent.

"Ein Anstieg in dieser Größenordnung war für uns unerwartet und überraschend", so Malyar.

Erkennbar ist auch eine Zunahme von Diabetes als Komorbidität bei PAVK-Patienten. Hatten 2005 etwa von den Patienten mit Claudicatio 26,7 Prozent Diabetes, waren es 2009 bereits 30,5 Prozent.

Bei Patienten im fortgeschrittenen PAVK-Stadium (Fontaine IV) stieg der Anteil von 30,3 auf 39,3 Prozent. Hypertonie bestand bei mehr als 60 Prozent aller PAVK-Patienten, auch hier ging der Trend nach oben.

Zunahme von endovaskulären Revaskularisationen

Die Daten spiegeln auch neue Entwicklungen in der Therapie wider. So erhöhte sich zwischen 2005 und 2009 die Zahl der in Kliniken vorgenommenen endovaskulären Revaskularisationen um 46 Prozent.

Die stärkste Zunahme interventioneller Gefäßeröffnungen war in der Gruppe der am schwersten erkrankten PAVK-Patienten (Fontaine IV) zu verzeichnen (+ 73 Prozent). Bei der operativen Anlage peripherer Bypässe gab es dagegen einen leichten Rückgang um 2 Prozent.

Die Entwicklung bei den Amputationen sieht Malyar mit gemischten Gefühlen. Zwar ging die Zahl der "Major"-Amputationen (oberhalb der Knöchelregion) erfreulicherweise um 25 Prozent zurück - jedoch auf Kosten einer Zunahme von kleineren "Minor"-Amputationen.

Insgesamt stieg dadurch die Gesamtzahl der Amputationen von 38.415 in 2005 auf 41.458 in 2009 - eine Zunahme um 8 Prozent.

Diese Zahlen sind nach Ansicht von Malyar " viel zu hoch und eigentlich erschreckend". Einen Grund für die hohe Amputationsfrequenz sieht er in der Tatsache, dass in vielen Krankenhäusern immer noch häufig direkt amputiert wird, ohne dass zuvor eine Angiografie erfolgte.

Dagegen führe die angiografische Untersuchung, wie Malyar betonte, häufig zu der Erkenntnis, dass es noch andere Therapiemöglichkeiten als die Amputation gibt.

In puncto Mortalität gab es keine wesentlichen Veränderungen, auch die periprozedurale Mortalität bei endovaskulären Revaskularisationen blieb nahezu unverändert.

Angesichts der steigenden Zahl von PAVK-Hospitalisationen überrascht es nicht, dass es auch auf der Kostenseite einen deutlichen Anstieg gab. Belief sich die Vergütungssumme für stationäre PAVK-Patienten 2005 noch auf 2,14 Milliarden Euro, waren es 2009 bereits 2,56 Milliarden Euro - ein Kostenanstieg um 21 Prozent.

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