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KOMMENTAR

Eine lehrreiche Kasuistik

Von Ursula Gräfen Veröffentlicht:

Unklare Fieberschübe hatte eine 31jährige Patientin in Dresden, und zwar seit vier Wochen in unregelmäßigen Abständen. Begleitsymptome wie Husten, Durchfall oder Halsschmerzen gab es nicht. Keiner wußte, was die Patientin hatte. Lyme-Borreliose und eine Infektion mit Epstein-Barr-Virus oder Chlamydien wurden ausgeschlossen. Es lagen keine pathologischen Auffälligkeiten vor außer einer leichten Anämie.

Malaria tertiana konnte es ja auch nicht sein, dachten die Ärzte, denn die Patientin war seit Jahren nicht mehr in einem Endemiegebiet gewesen, und in den Lehrbüchern heißt es, die Inkubationszeit betrage neun bis 16 Tage. Dennoch wurde auch auf Malaria getestet - und siehe da, der Erreger Plasmodium vivax wurde nachgewiesen. Die Patientin muß sich drei Jahre zuvor bei einer Reise auf die mexikanische Halbinsel Yucatan infiziert haben.

Dieses Beispiel aus Dresden, von dem das Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf berichtet, ist gleich zweifach wichtig. Einmal zeigt es, daß man sich auf Lehrbücher nicht unbedingt verlassen kann. In der jüngsten Zeit häufen sich Berichte über länger Inkubationszeiten bei Malaria tertiana, vor allem bei Infektionen mit Plasmodium vivax.

Und dann zeigt diese Kasuistik auch, wie wichtig es ist, bei der Anamnese auch nach Reisen in tropische und subtropische Länder zu fragen. Auch nach Reisen, die schon länger zurückliegen. Das sollte sich jeder Hausarzt angewöhnen.

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