Direkt zum Inhaltsbereich

Medizintechnik

Engpass bei Schweizer Diabetes-Produkten in Deutschland?

Am Mittwoch ist die novellierte EU-Medizinprodukteverordnung in Kraft getreten. Auch die Schweiz hat ihre Zulassung entsprechend aktualisiert. Nur bei der gegenseitigen Anerkennung hapert es noch.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Wenn die Beziehungen zwischen der EU und und der Schweiz wieder harmonisiert sind, könnte auch die MedTech-Branche davon profitieren.

Wenn die Beziehungen zwischen der EU und und der Schweiz wieder harmonisiert sind, könnte auch die MedTech-Branche davon profitieren.

© pixs:sell / stock.adobe.com

Bern/Berlin/Brüssel. Große schweizerische Hersteller von Blutzuckerteststreifen, Glukosemessgeräten und -systemen oder auch Insulinpumpen bedienen bisher reibungslos den deutschen und den gesamten EU-Markt. Bis Dienstag gab es auch keine Probleme, sicherte ein Mutual Recognition Agreement (MRA) die gegenseitige Anerkennung von Medizinprodukten und erlaubte es deutschen und europäischen Herstellern, ohne regulatorische Hemmnisse ihre Produkte in der Schweiz zu vermarkten – und umgekehrt. Das MRA bezog sich allerdings auf die bis dato gültige EU-Medizinprodukterichtlinie.

Diese ist nun am Mittwoch, den 26. Mai, abgelöst worden durch die wesentlich strengere, novellierte EU-Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation/MDR). Um mit der EU auf Augenhöhe zu bleiben, hat die Schweiz ihrerseits die Zulassungsmodalitäten für Medizinprodukte auf EU-Stand gebracht. Allerdings ist die MRA-Baustelle noch offen. Somit sind nach Auskunft des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) die Modalitäten für die Produkte, die von der Übergangsperiode (Grace Period) bis 2024 profitieren könnten, eben noch nicht geregelt.

Schweiz auf Drittstaat zurückgestuft

Die Schweizer sind sichtbar enttäuscht: „Der erste Dominostein ist gefallen: Wegen des fehlenden Institutionellen Abkommens (InstA) hat die Europäische Union (EU) das Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen (MRA) nicht aktualisiert.

Mit dem Geltungsbeginn der neuen MDR am Mittwoch verlor die Schweizer Medizintechnikindustrie deshalb ihren bisher barrierefreien Zugang zum EU-Binnenmarkt. Damit ist eingetroffen, was sich bereits vor zwei Jahren als mögliches Szenario abgezeichnet hatte: Die Rückstufung der Schweizer Medizintechnikbranche auf ‚Drittstaat‘“, hieß es am Mittwoch morgen in einer Meldung des eidgenössischen Branchenverbandes Swiss MedTech.

MRA an InstA-Fortschritt geknüpft

Wie Swiss MedTech weiter ausführt, habe die EU-Kommission jedoch die vollständige Aktualisierung des MRA unter die Bedingung von Fortschritten beim InstA gestellt, das die Beziehungen der Schweiz zur EU regelt. Hier hatte die EU-Kommission immer wieder Nachbesserungen von den Eidgenossen gefordert. Am Mittwoch abend kam dann die Nachricht, dass der Bundesrat in Bern, die InstA-Verhandlungen einseitig abgebrochen habe – aus Verärgerung über die EU.

Beat Vonlanthen, Präsident von Swiss MedTech, appelliert an die politischen Akteure, an die Patienten zu denken. „An einer pragmatischen Lösung, um die lückenlose Patientenversorgung in der Schweiz und in der EU aufrecht zu erhalten, müssen beide Seiten interessiert sein. Ich erwarte von der Politik, dass sie die Gesundheitsversorgung ihrer eigenen Bevölkerung über verhandlungstaktische Interessen stellt“, so Vonlanthen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gastbeitrag

Keine Versorgungsgerechtigkeit bei stationärer Diabetes-Behandlung

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Porträt

Wie ein Hausarzt mit seinem„Medmobil“ Obdachlose versorgt

Warnzeichen früh erkennen

Immundefekte: Das ist die Basisdiagnostik für die Praxis

Lesetipps
Ein langer Wurm liegt in einer behandschuhten Hand.

© Clouds Hill Imaging / Science Photo Library

Ascariasis

Wurm in der Hose: Was tun bei hartnäckigem Spulwurmbefall?

Echzeitdarstellung der Blutzuckermessung auf einem Smartphone

© Remigiusz Góra / stock.adobe.com

Kasuistik

Seltene Ursache rezidivierender Hypoglykämien