Erfolge bei Blutzuckersenkung durch das Hormon Glucagon-like-Peptide 1

MÜNCHEN (hbr). Für die Therapie von Typ-2-Diabetikern wird zunehmend der Einsatz des Hormons Glucagon-like-Peptide 1 (GLP-1) und verwandter Wirkstoffe diskutiert: Es senkt zuverlässig und sicher den Blutzucker. Aber was ist das eigentlich für ein Hormon?

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GLP-1 wird im Dünndarm gebildet, vor allem in den L-Zellen des Ileum. Das Peptid gehört zu den Inkretinen, also den Darmhormonen, die bei Nahrungsaufnahme die Insulinabgabe der Bauchspeicheldrüse beeinflussen. Glukose und Fett regen seine Sekretion an. Dabei kann der Plasmaspiegel des GLP-1 auf das Achtfache steigen.

GLP-1 stimuliert dann die Insulinsekretion, und das mit beachtlicher Wirkung: Bis zu 60 Prozent der Insulinantwort auf eine kohlenhydratreiche Mahlzeit beruhen bei gesunden Menschen auf diesem Effekt, wie Privatdozent Baptist Gallwitz von der Universität Tübingen beim europäischen Diabeteskongreß in München berichtet hat. Die Insulin-Ausschüttung wiederum hemmt die Glukagon-Sekretion und damit die Glukosefreisetzung aus der Leber, was den Blutzuckerspiegel bei Patienten mit Typ-2-Diabetes ebenfalls reduziert.

Erfolge durch eine Therapie mit GLP-1 sind bereits durch erste Untersuchungen bei zehn Patienten belegt, die nach Versagen einer Sulfonylharnstoff-Behandlung eine GLP-1- oder eine Placeboinfusion erhielten. Nur in der GLP-1-Gruppe sank der Blutzucker von anfangs 200 bis 250 mg/dl innerhalb von drei Stunden auf 80 bis 100 mg/dl. Gleichzeitig stieg der Insulinspiegel und die Glukagon-Sekretion nahm ab - beides signifikant.

Der Vorteil dabei: "Noch nie gab es in Studien mit Menschen durch die GLP-1-Gabe Unterzuckerungen - die Insulinfreisetzung wird nur bei Hyperglykämie stimuliert", sagte Gallwitz bei einem Workshop des Unternehmens Lilly. Sie hört auf, wenn normoglykämische Werte erreicht sind.

Eine Untersuchung mit einer sechswöchigen GLP-1-Dauerinfusion belegte bei Typ-2-Diabetikern einen weiteren Effekt: Auch das Körpergewicht der Patienten sank. Die Gewichtsabnahme um zwei Kilogramm könnte daran liegen, daß der Appetit der Patienten unter GLP-1 kleiner wird - sie essen weniger. Zum einen wohl deshalb, weil die Magenentleerung verlangsamt wird. Zum anderen weiß man aus Tiermodellen, daß GLP-1 im zentralen Nervensystem als Sättigungsmediator wirkt.

Die breite Verwendung des Hormons scheitert aber daran, daß es innerhalb von Minuten abgebaut wird. Das synthetische GLP-1-Mimetikum Exenatide, das zur Zeit geprüft wird, hat da Vorteile: Es wirkt wie GLP-1, aber viel länger. In Studien mit Typ-2-Diabetikern reichten zwei Anwendungen am Tag.

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