Familiärer Darmkrebs

Erhöhtes Krebsrisiko auch bei Halbgeschwistern von Darmkrebspatienten

Geschwister von Darmkrebspatienten haben einer Studie zufolge im Vergleich mit Geschwistern aus Familien ohne Darmkrebsfälle ein 1,7-fach erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Ein vergleichbares Risiko errechneten die Forscher auch für Halbgeschwister.

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HEIDELBERG. Anhand der Familiengeschichte von über 170.000 Darmkrebspatienten haben Heidelberger Krebsforscher gemeinsam mit internationalen Kollegen das Darmkrebsrisiko für die Verwandten ersten und zweiten Grades untersucht (BMJ 2019; 364:l803). Dabei fanden Sie heraus, dass Halbgeschwister von Darmkrebspatienten ein ebenso erhöhtes Erkrankungsrisiko haben wie die Geschwister, berichtet das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg.

„Obwohl schon lange bekannt ist, dass ein Zusammenhang zwischen einer familiären Belastung und einem erhöhten Risiko, selbst an Darmkrebs zu erkranken, besteht, wurden die einzelnen Verwandtschaftsgrade bisher nicht im Detail untersucht“, so Studienautor Dr. Mahdi Fallah in der NCT-Mitteilung.

Die Wissenschaftler werteten daher den nach Angaben des NCT weltweit größten Datensatz zu Patienten mit familiärem Krebsrisiko aus. Über 16 Millionen Personen aus Schweden sind darin erfasst, 173.796 von ihnen erkrankten an Darmkrebs. Anhand der Stammbäume und Familiengeschichte haben die Forscher Rückschlüsse auf das Erkrankungsrisiko der Verwandten ersten und zweiten Grades gezogen.

Die Untersuchungen ergaben, dass Geschwister von Darmkrebspatienten ein 1,7-fach erhöhtes Risiko haben, an Darmkrebs zu erkranken, gegenüber Geschwistern aus Familien ohne Darmkrebsfälle. Ein vergleichbares Risiko errechneten die Forscher für Halbgeschwister.

Halbgeschwister haben damit ein höheres Erkrankungsrisiko als andere Verwandte zweiten Grades, wie Großeltern oder eine Tante. Das höchste Erkrankungsrisiko haben Menschen, in deren Familie mehrere Verwandte ersten oder zweiten Grades erkrankt sind.

„Wir konnten nachweisen, dass das familiäre Risiko für Halbgeschwister von Darmkrebspatienten deutlich höher war als bisher erwartet. Halbgeschwister sollten daher bei der Familienanamnese in der Risikobewertung für eine Darmkrebserkrankung wie Verwandte ersten Grades eingestuft werden“, rät Fallah in der Mitteilung.

„Zugleich zeigen die Ergebnisse aber auch, dass neben den Genen auch gemeinsame Lebensbedingungen und Lebensgewohnheiten innerhalb von Familien bei der familiären Häufung von Darmkrebs eine große Rolle spielen, denn sonst würde man deutliche Unterschiede im Risiko für „Vollgeschwister“ und Halbgeschwister erwarten“, ergänzt Professor Hermann Brenner, der Leiter der Abteilung Präventive Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum. (eb)

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