Beim Menschen

Erkrankungen mit Bornaviren erstmals belegt

Fünf Fälle von schweren Enzephalitiden mit klassischen Bornaviren beunruhigen Infektiologen.

Veröffentlicht: 27.03.2018, 13:38 Uhr

BERLIN. Erstmals sind jetzt Infektionen mit dem Borna Disease Virus (BoDV-1) als wahrscheinliche Auslöser von schweren Enzephalitiden beim Menschen identifiziert worden.

Das Genom und das Antigen der Erreger wurden dabei mit spezieller RT-qPCR ("next-generation-sequencing") sowie mit Verfahren der Immunhistochemie und der In-situ-Hybridisierung nachgewiesen, berichtet das Robert Koch-Institut (Epi Bull 2018; 10: 105).

Die Erkrankungen traten bei zwei Empfängern von Spenderorganen des selben post-mortalen Organspenders auf - beide sind im weiteren Verlauf gestorben. Der dritte Todesfall steht nicht mit der Transplantation in Zusammenhang, Details sind nicht bekannt.

Sehr seltene Einzelfälle

Die Untersuchungsergebnisse belegen die ersten gesicherten BoDV-1-Erkrankungen des Menschen, betont das RKI. Das bei den Patienten nachgewiesene klassische Bornavirus unterscheidet sich von dem im Jahr 2015 bei Züchtern exotischer Hörnchen als Verursacher von Enzephalitis beschriebenen Bornavirus der Hörnchen (Variegated Squirrel Bornavirus 1; VSBV-1).

Die drei aktuellen BoDV-1-Erkrankungen seien höchstwahrscheinlich sehr seltene Einzelfälle. Eine weitere solche Infektion wurde allerdings bei einer Patientin mit massiver Enzephalitis belegt, und ein zusätzlicher Verdachtsfall wird abgeklärt.

Retro- und prospektive Untersuchungen bei Organempfängern sowie bei ungeklärten Enzephalitis-Fällen müssen jetzt klären, ob Bornaviren bei Menschen häufiger auftreten. Das RKI weist darauf hin, dass bei Enzephalitis-Fällen mit Bornaviren eine Arzt- und Labor-Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz besteht. (eis)

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Kommentare
Christel Schmedt

Humane Bornaviren - weder erstmals belegt noch seltene Einzelfälle mit BDV

Den Infektiologen, aber auch den Allgemeinärzten wird es sicher interessieren, das in ca. 75 Onlineberichten der Medien ziemlich viele Falschmeldungen vorhanden waren. Wie es aussieht, wurde größenteils einfach voneinander abgeschrieben ohne groß weiter nachzudenken oder zu recherchieren.
Es gibt weit über hundert wissenschaftliche und auch evidenzbasierte Studien und Publikationen, wo die richtige Darstellung nachzulesen ist. Ein wichtiger Teil davon ist auf der Page des Bundesverbandes Zecken-Krankheiten e.V. (BZK) www.bornavirusinfektion.de jedem zugänglich.
Es ist seit langem bekannt, dass diese Viren unter vielen anderen Symptomen wie neurologische und psychische Störungen auch Gehirn- und Nervenentzündungen verursachen können, erst recht bei Immunschwachen oder gar Immunsuppremierten wie bei einer Organtransplantation. Es gibt dazu auch eine Studie über leukämikranke Kinder, wo nach den Bluttransfusionen BDV diagnostiziert wurde, auch zu finden auf unserer Page.

Es gibt seit mindestens 12 Jahren ein sehr wirksames altes Virusstatika, Amantadin, dass die Ärzte auch heute im Off-Label-Use verordnet können und einige auch tun. Zugelassen wurde es für Influenza und später für Parkinson. Die Forschungsgruppe am RKI bzw. Dr. Bode hat damals entdeckt, dass es auch sehr gut bei Bornaviren wirkt. Offenbar gibt es gleiche Schnittstellen!

Es gibt die ganze Zeit über einen sehr brauchbaren guten Antigentest für human und für den verwandten Pferdetyp, der sich zur Zeit in der Validierungsphase befindet. Er wird auch seit Jahren im Ausland angewendet.

Und es gibt auch eine aktuelle Studie aus 2016 aus China, die die hohe Ansteckungsfähigkeit unter Menschen beweist! Zu finden u.a. auch auf unserer Page!

Was es alles sonst noch gibt, wo sich die meisten Erklärungen der Meldungen widerlegen lassen, lesen Sie - wenn Sie Interesse daran haben - auf der Presseerklärung des BZK: https://www.openpr.de/news/999421.html

9.4.18: Bundesverband Zecken-Krankheiten e.V
www.bornavirusinfektion.de und www.bzk-online.de


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