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Experten erwarten Entspannung bei Vogelgrippe im Frühling

MÜNCHEN/GENF (dpa/ddp.vwd). Der für die Vogelgrippe zuständige Direktor der Welternährungsorganisation (FAO) in Rom, Samuel Jutzi, erwartet in den kommenden Wochen eine Entspannung der Lage bei der Tierseuche in Europa. "Bei Temperaturen um 20 Grad Celsius beträgt die Überlebensdauer von H5N1 höchstens einen, bei Kälte bis zu dreißig Tage", sagte Jutzi am Samstag.

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Der Vogelkundler Wolfgang Fiedler ergänzte allerdings, es könne in dieser Zeit zu "überraschenden Virus-Transporten" kommen, deren Verlauf sich erst im Herbst zeigen werde. Beide Experten halten die Verbreitung der Seuche durch Zugvögel nur für einen von mehreren Übertragungswegen des Erregers. Der Leiter der Vogelwarte am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell nannte als weiteren möglichen Weg den illegalen Vogelhandel, "der weltweit offenbar sehr intensiv ist".

Die WHO möchte eine Taskforce zum Kampf gegen eine mögliche Vogelgrippe-Epidemie bei Menschen gründen. Die Eingreiftruppe solle aus etwa 100 Experten bestehen, darunter Laborspezialisten, Logistiker und Ethnologen, sagte der Koordinator des WHO-Grippeprogramms, Keiji Fukuda, am Freitag in Genf. Ihre Aufgabe werde es sein, Ländern sowohl bei der Untersuchung von infizierten Menschen als auch bei der Eindämmung einer möglichen Seuche zu helfen.

Die Bundesregierung will verstärkt an der Entwicklung verbesserter Impfstoffe für Geflügel arbeiten. "Wir haben die verdammte Pflicht, die Lücken in der Forschung zu schließen", sagte Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU). Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium werde das Forschungsprogramm "Influenza" auf den Weg gebracht.

Ziel sei die Entwicklung eines Marker-Impfstoffs, mit dem infizierte Tiere von geimpften unterschieden werden könnten. Bislang ist eine Impfung von Federvieh in Deutschland verboten, weil auch geimpfte Vögel das Virus weiter verbreiten können.

Die Agrarminister der Bundesländer wollen massiv gegen die Vogelgrippe vorgehen. "Das Gebot der Stunde lautet: umfassende Aufklärung der Bevölkerung und ein konsequentes Vorgehen der örtlichen Behörden", sagte der rheinland-pfälzische Landwirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage (FDP) auf der Agrarministerkonferenz in Mainz. Bei der Bekämpfung der Vogelgrippe wollen die Minister die Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen weitgehend beibehalten.

Die wegen der Vogelgrippe eingeführte Stallpflicht für Geflügel ist nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Kassel rechtens. Das Gericht wies den Eilantrag eines privaten Hühnerhalters auf Befreiung von der Stallpflicht ab. Der Besitzer von acht Hühnern und einem Hahn hatte vorgebracht, das Einsperren der Tiere im Stall verursache ansteckende Geflügelkrankheiten und sei Tierquälerei.

Unterdessen breitet sich die Vogelgrippe in Deutschland weiter aus. In Bayern stieg die Zahl der infizierten Vögel von acht auf zwölf. Erstmals ist auch Franken v betroffen. Baden-Württemberg meldete eine weitere infizierte Ente am Bodensee - der sechste infizierte Vogel. Brandenburg registrierte eine infizierte Wildgans und damit insgesamt sieben H5N1-infizierte Wildvögel. Deutschlandweit ist das Virus nun bei mehr als 170 Wildvögeln nachgewiesen.

In Indonesien sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums jetzt 22 Menschen an Vogelgrippe gestorben. Das Labor der WHO in Hongkong habe bestätigt, daß ein zwölfjähriges Mädchen das 22. Opfer des H5N1-Virus in Indonesien sei, teilte ein Sprecher des Ministeriums in Jakarta mit. Sie habe engen Kontakt mit kranken Hühnern gehabt.

Lesen Sie dazu auch: Die Angst vor der Vogelgrippe klingt ab

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Mehr Umweltschutz - weniger Zoonosen

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