Traumata

Extreme Belastungen erhöhen Risiko für Diabetes

Bei Menschen mit traumatischen Kindheitserlebnissen ist das Risiko für die Entwicklung eines Diabetes um bis zu 60 Prozent erhöht.

Veröffentlicht: 07.04.2018, 16:00 Uhr

Belastende Kindheitserfahrungen beeinflussen das Diabetes-Risiko negativ. Das gilt vor allem für Menschen, bei denen vier und mehr belastende Faktoren – von Missbrauch bis Vernachlässigung – zusammenkommen (Diabetologe 2017; 13: 548-553). Darauf weisen Experten der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) aus Anlass ihrer Jahrestagung hin. Dabei greifen mehrere psychische und biologische Prozesse ineinander. "Das Trauma beeinträchtigt das Selbstwertgefühl und die Affektregulation – also den Umgang mit den eigenen Gefühlen", wird Professor Johannes Kruse, Universitätsklinikum Gießen und Marburg in der Mitteilung zitiert. Das wiederum habe Auswirkungen auf den Lebensstil der Betroffenen. Nicht selten versuchen sie, ihre negativen Gefühle zu bewältigen, indem sie rauchen, vermehrt essen oder Alkohol trinken. Gleichzeitig schränken sie ihren sozialen Umgang ein und kapseln sich ab. Eine erhöhte Kalorienzufuhr, kombiniert mit Bewegungsmangel, stellt einen der Hauptrisikofaktoren für Typ-2-Diabetes dar.

Durch extreme Belastungen werden neurobiologische, immunologische und das Darmmikrobiom betreffende Veränderungen in Gang gesetzt, die das Diabetesrisiko beeinflussen. Eine zentrale Rolle spielt das Stresshormon Kortisol, das unter starker Belastung verstärkt ausgeschüttet wird. Es versetzt den Körper kurzfristig in einen angeregten, leistungsfähigen Zustand. "Als Reaktion auf eine akute Bedrohung ist das durchaus sinnvoll", so Kruse. Hält der Stresszustand jedoch an, so kommt es zu Verschiebungen im Zuckerstoffwechsel, und die Blutzuckerregulation verschlechtert sich – mit direkten Auswirkungen auf das Diabetesrisiko. Auch das Immunsystem arbeitet unter Kortisol-Einfluss anders: Es schüttet verstärkt entzündungsfördernde Enzyme aus, denen ebenfalls eine Rolle bei der Diabetes-Entstehung zugeschrieben wird.

Bei Patienten mit traumatischen Kindheitserfahrung müsse daher auch ein möglicher Anstieg des Diabetesrisikos im Auge behalten werden, so Kruse. Umgekehrt legten die Zusammenhänge nahe, dass ein Teil der Diabetes-Patienten von einer psychosomatischen Therapie profitieren könne. Diese zielt darauf, das Erleben der Betroffenen, ihre Stressreaktion und auch ihre neuroimmunologischen und neurobiologischen Pfade wieder zu normalisieren. "Forschungsergebnisse der letzten Jahre sprechen dafür, dass die Psychotherapie hier erfolgreich wirken kann", so Kruse. (eb)

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