Krankheiten

Falsch hohe Gerinnungswerte nach Stress

WIESBADEN (ner). Wer exakte Gerinnungsparameter messen möchte, muss eine ganze Reihe wesentlicher Voraussetzungen beachten -angefangen bei der Stauungszeit bis hin zum Transport der Proben. Beim Internisten-Kongress machte Dr. Beate Luxembourg aus Frankfurt am Main auf einige Fallstricke aufmerksam.

Veröffentlicht: 10.04.2008, 17:02 Uhr

So darf bei peripherer Blutabnahme nur maximal eine Minute und nicht zu stark gestaut werden. Findet man nicht gleich eine Vene, sollte man die Stauung lösen, zwei Minuten warten und es dann noch einmal probieren, empfahl Luxembourg. Wird die Gerinnungsmonovette zu gering befüllt, ist der Zitratanteil in der Probe zu hoch - Folge sind falsch erhöhte Gerinnungszeiten. Wichtig ist auch, dass Blut für die Gerinnungsdiagnostik nicht mit EDTA oder Kaolin kontaminiert wird. Das könne bei Blutabnahme mit Butterfly-Kanülen passieren, wenn die Monovetten überkopf gehalten werden und EDTA-Blut verschleppt wird.

Auf keinen Fall sollte das Blut aus Kathetern abgenommen werden, die mit Antikoagulanzien gespült worden sind. "Da kann man noch so viel nachspülen, das funktioniert nicht!", betonte die Hämostaseologin und verwies auf das Beispiel eines stationären Patienten mit scheinbar entgleister Gerinnung unter laufender Antikoagulation. Für den Patienten war schon Fresh Frozen Plasma (FFP) vorbereitet worden. Bei Kontrolle der Gerinnungswerte stellte sich dann allerdings heraus, dass stattdessen die Antikoagulation verstärkt werden musste.

Blutabnahme: Maximal darf eine Minute gestaut werden.

Der Transport von Gerinnungsröhrchen muss bei Raumtemperatur erfolgen, sonst kann es zur Kälteaktivierung kommen. In der Regel sollte die Gerinnungsprobe innerhalb von vier Stunden untersucht werden, um valide Messwerte zu erhalten. Möchte man die Thrombozytenfunktion bestimmen, muss das Röhrchen sogar innerhalb einer Stunde verarbeitet werden.

Weitere Tipps: 24 Stunden vor der Blutabnahme sollten Stress oder intensive körperliche Belastung vermieden werden. So werden bestimmte Gerinnungsfaktoren bis zu zehn Stunden nach sportlicher Betätigung falsch zu hoch gemessen, die Thrombozytenaggregation ist bis zu eine Stunde lang verstärkt, die D-Dimere erhöht.

Der Thromboseausschluss in der Schwangerschaft ist, rein labortechnisch, schwierig. Denn die D-Dimer- und Fibrinogen-Spiegel zum Beispiel steigen in der Schwangerschaft, meist bereits im zweiten Trimenon. Auch Hormonpräparate beeinflussen die Gerinnungsdiagnostik. Soll etwa ein Protein-S-Mangel ausgeschlossen werden, muss das Kontrazeptivum zwei Monate lang abgesetzt werden.

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