Alzheimerforschung

Feinstaub - ein Risikofaktor für Alzheimer?

Ultrafeine Staubpartikel in den Gehirnen Verstorbener mit neuro-degenerativen Erkrankungen lassen die Frage aufkommen: Ist Feinstaub ein Risikofaktor für Alzheimer?

Von Anne Bäurle Veröffentlicht: 06.09.2016, 05:01 Uhr
Feinstaub - ein Risikofaktor für Alzheimer?

Eisenoxid-Partikel, ein Bestandteil des vom Menschen verursachten Feinstaubs, könnten zur Entstehung von Alzheimer beitragen.

© Barbara Gindl / dpa

NEU-ISENBURG. Feinstaub verursacht eine Reihe von Erkrankungen: Lungenkrebs, asthmatische Erkrankungen, Atemwegsbeschwerden. Die WHO geht davon aus, dass die weltweite Luftverschmutzung zu 6,7 Prozent aller Todesfälle beiträgt.

Nun mehren sich die Hinweise, dass eine weitere Krankheit zu dieser Liste hinzukommen könnte: Alzheimer. Denn in den Gehirnen Verstorbener mit neuro-degenerativen Erkrankungen haben Wissenschaftler Eisenoxid-Nanopartikel gefunden, einem Bestandteil des vom Menschen verursachten Feinstaubs.

Damit liefert die Studie von Barbara Maher von der Universität Lancaster und ihren Kollegen einen weiteren Hinweis darauf, dass das vermehrte Einatmen von Feinstäuben mit dem Auftreten von Alzheimer zusammenhängt.

Umwelteinflüsse spielen große Rolle

Insgesamt 37 Hirnproben von Patienten mit neuro-degenerativen Erkrankungen aus Manchester und Mexiko-Stadt untersuchten die Forscher. In allen Proben entdeckten sie Ansammlungen von Eisenoxid-Partikeln. "Eisenoxid wird mit dem Entstehen von freien Sauerstoffradikalen in Verbindung gebracht - und die Bildung von Sauerstoffradikalen steht in Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer", schreiben die Wissenschaftler in ihrer Publikation.

Die Eisenoxid-Partikel in den Hirnproben hätten die gleiche Zusammensetzung und Oberflächenmerkmale gehabt wie Eisenoxid-Partikel in Feinstaub-Proben. Vermutlich seien sie daher externen Ursprungs und stammten nicht aus den Verstorbenen selbst.

Zudem konnten die Partikel mit einer Größe von maximal 150 Nanometern direkt über den olfaktorischen Nerv in das Gehirn gelangen, vermuten die Forscher.

Sie betonen, dass weniger als 5 Prozent aller Alzheimer-Fälle erblich bedingt seien, Umwelteinflüsse spielten daher wohl eine große Rolle bei der Entstehung und dem Voranschreiten von Alzheimer.

Ein Vergleich fehlt

"Die Ergebnisse der Studie sind ein wichtiger Schritt für das bessere Verständnis, welche Rolle Eisenoxid-Nanopartikel im Gehirn von Patienten mit neurodegenerativen Krankheiten spielen könnten. Zum anderen zeigen die Untersuchungen, dass es wahrscheinlich ist, dass die Ansammlung der Nanopartikel im Gehirn aus der verschmutzten Luft dort stammen", so Dr. Wolfgang G. Kreyling vom Institut für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum München und externer wissenschaftlicher Berater der Studie.

Dennoch fehle bisher ein Vergleich der untersuchten Alzheimer-Gehirne mit gleichaltrigen Verstorbenen einer Kontrollgruppe, die aus anderen Gründen verstorben sind. Der behauptete Zusammenhang zwischen den Eisenoxid-Nanopartikel in den Gehirnen der Patienten und der Ausbildung der Alzheimer-Krankheit sei daher bisher nicht als Beweis, sondern als bloße Interpretation der Autoren zu betrachten.

Mehr zum Thema

Neurodegeneration

Bildung fördert Resilienz gegen Alzheimer

Kommentare
Wolfgang P. Bayerl

@Anne Bäurle, danke für die Klarstellung

Es wird immer abenteuerlicher mit der Anbiederung von Wissenschaftlern an politische Wunschvorstellungen.
Lernen kann man daraus die Fragwürdigkeit des Begriffes Feinstaub,
denn hier geht es um Eisen, dessen Oxydationspotenz schon länger hypothetisch für Alterungsvorgänge herhalten musste. Deshalb ist Eisen, das andererseits lebenswichtig ist, biologisch immer nur in (Eiweiß-)gebundener Form vorhanden. Eisen ist also nicht = Feinstaub. Wo kommt es her?
Das ist die erste Frage.
Das passt nun politisch wieder gar nicht, eher von der Eisenbahn als vom gummibereiften PKW :-)
Und wer sich mal mit Lüftungssystemen befasst hat, weiß,
(fast) immer mehr Feinstaub in geschlossenen Räumen, selbstverständlich auch in Privatwohnungen,
als im Freien, Innenstädte (in Deutschland) inclusive!


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Bei E-Zigaretten „Dual Use unbedingt vermeiden“

Nikotinabusus

Bei E-Zigaretten „Dual Use unbedingt vermeiden“

So kodieren Ärzte bei SARS-CoV-2 richtig

ICD-10-Codes

So kodieren Ärzte bei SARS-CoV-2 richtig

Jens Spahn lockert Vorschriften für Corona-Tests

Verordnung auf dem Weg

Jens Spahn lockert Vorschriften für Corona-Tests

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden