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Fettes Essen macht nicht zwangsläufig dick

Die individuelle Reaktion auf Nahrungsbestandteile scheint variabler zu sein als bisher vermutet. Auf eine fettreiche Diät reagieren einer Studie zufolge Patienten mit beginnendem Diabetes oder manifester Fettstoffwechselstörung zwar ungünstig. Vor allem bei jüngeren Probanden verschlechterten sich oft weder Blutfette noch Zuckerstoffwechsel.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Kohlenhydrat- oder fettreiche Ernährung schadet manchen Menschen mehr, manchen weniger.

Kohlenhydrat- oder fettreiche Ernährung schadet manchen Menschen mehr, manchen weniger.

© Imagery Majestic / fotolia.com

BERLIN. Fett ist ein endokrines Organ und steht in vielfacher Wechselwirkung mit dem Gesamtorganismus. Jetzt spekulieren Forscher, wie Ernährung, Körperfett und Immunregulation zusammenhängen - und ob das in Zusammenhang damit steht, wann ein Mensch dick wird.

Es gebe mehrere Untersuchungen, die zeigten, dass Ernährung und Entzündungsreaktionen im Fettgewebe zusammenhängen, sagte Professor Andreas Pfeiffer, Leiter der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin an der Charité bei einer Veranstaltung der DGIM im Vorfeld des 117. Internistenkongresses.

Zusammenhang zwischen Ernährung und Entzündung

So führe das vor allem nach kohlenhydratreicher Nahrung ausgeschüttete Gewebshormon GIP (glucose-dependent insulinotropic polypeptide) nach etwa vier Stunden über einen Chemokin-Mechanismus zur Einwanderung von Entzündungszellen, speziell Makrophagen, ins Fettgewebe.

Was das soll, ist nicht ganz klar. Die im November 2010 publizierte Ernährungsstudie DIOGENES hat aber den prinzipiellen Zusammenhang zwischen Ernährung und Entzündung bestätigt. Eine achtwöchige, kalorienreduzierte Diät führte in dieser Studie zu einem Abfall des Entzündungsparameters CRP.

Wurde nach der Diätphase weiterhin Nahrung mit überwiegend niedrigem glykämischem Index konsumiert, fiel der CRP-Wert weiter. Der Proteingehalt der Nahrung hatte auf den CRP-Wert keinen Einfluss.

Nahrung ist nicht gleich Nahrung, das zumindest ist eine Botschaft, die sich aus diesen Daten ableiten lässt. Doch nicht nur die Wirkung unterschiedlicher Nahrungsmittel auf den Organismus ist nicht einheitlich. Auch die individuelle Reaktion auf Nahrungsbestandteile scheint sehr viel variabler zu sein, als bisher oft angenommen wurde.

Untersucht haben Pfeiffer und seine Kollegen dies in der NUGAT-Studie, in der die Stoffwechselreaktionen des Organismus auf unterschiedliche Diäten gemessen wurden. Die Probanden hielten sich zunächst sechs Wochen lang an eine Standardernährung, die den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin entspricht.

Danach folgte eine fettreiche Diät mit einem höheren Anteil gesättigter Fettsäuren, aber mit gleicher Kalorienzahl. Die "dritte Runde" bestand in einer eiweiß- und ballaststoffreichen Diät. "Erste Daten zeigen, dass ein Großteil der Probanden auf die fettreiche Diät nicht messbar reagiert", so Pfeiffer.

Vor allem bei den jüngeren Probanden verschlechterten sich oft weder Blutfette noch Zuckerstoffwechsel. Anders sah es aus bei Probanden mit beginnendem Diabetes oder manifester Fettstoffwechselstörung.

Steuerung der Reaktionen durch Gene vermutet

Die interessante Frage ist jetzt, womit genau diese Unterschiede zusammenhängen. Genetische Unterschiede bei der Induktion immunregulatorischer Zytokine sind zumindest ein möglicher Erklärungsansatz. "Bisher tun wir uns aber noch schwer, anhand von Genen vorherzusagen, wer bei fettreicher Ernährung Gewicht zulegt und wer nicht", so Pfeiffer.

Dass diese Vorhersagen prinzipiell möglich sind, davon sind immer mehr Experten überzeugt.

Weitere Informationen auf der Kongress-Seite www.dgim2011.de oder auf unserer Sonderseite

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