Neuro-psychiatrische Krankheiten

Finanz-Krise treibt immer mehr Griechen in den Freitod

Die Schuldenkrise in Griechenland macht den Bürger immer mehr zu schaffen - auch psychisch und mit tödlichen Folgen: Seit Jahresanfang ist die Suizidrate drastisch gestiegen.

Veröffentlicht:
Kopflose Statue vor der Akropolis: Den Griechen macht die Finanz-Krise zu schaffen. Viele haben wegen finanzieller Probleme Suizidgedanken.

Kopflose Statue vor der Akropolis: Den Griechen macht die Finanz-Krise zu schaffen. Viele haben wegen finanzieller Probleme Suizidgedanken.

© dpa

CAMBRIDGE (hub). In Griechenland haben Wirtschaftskrise und resultierende Sparmaßnahmen einen deutlichen Einfluss auf das Gesundheitswesen: Immer mehr Menschen verzichten auf eine Visite beim Hausarzt oder Zahnarzt, wenn sie krank sind.

Die Gründe sind unter anderen zu große Entfernungen und zu lange Wartezeiten (Lancet online). Demgegenüber gab es 24 Prozent mehr Einweisungen in öffentliche Krankenhäuser, werden Zahlen von 2010 und 2009 verglichen.

Schmiergeldzahlungen, um Warteschlangen zu umgehen

Dabei berichten viele staatliche Kliniken von personeller Unterbesetzung und fehlenden medizinischen Geräten - auch eine Folge der 40-prozentigen Kürzungen bei den Krankenhausbudgets.

Patienten versuchten daher mit Schmiergeldzahlungen die Warteschlangen in überlasteten Kliniken zu umgehen, berichten Alexander Kentikelenis von der Uni in Cambridge und seine Kollegen.

Im Gegensatz zu den öffentlichen Kliniken hat es in den privaten Einrichtungen von 2009 auf 2010 eine Abnahme der Aufnahmen um 25 bis 30 Prozent gegeben, schreiben die Forscher aus Großbritannien.

Suizidrate 40 Prozent höher

Besonders deutlich seien die Auswirkungen der Krise bei den Suiziden abzulesen. Von 2007 bis 2009 stieg die Suizidrate um 17 Prozent, nicht offizielle Zahlen nennen einen weiteren Anstieg in 2010 um 25 Prozent im Vergleich zu 2009.

Das Gesundheitsministerium habe berichtet, im ersten Halbjahr 2011 habe es 40 Prozent mehr Selbsttötungen gegeben als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, so die Autoren.

Jeder vierte Anrufer bei der Telefonseelsorge mit Suizidgedanken habe finanzielle Probleme als Motivation angegeben. Kredite nicht zurückzahlen zu können sei Medienberichten zufolge der Hauptfaktor bei der Zunahme der Selbsttötungen, so die Autoren.

Auch Gewalt nimmt zu

Weitere Auswirkungen der Krise seien die Zunahme an Gewalt, Diebstählen und Einbrüchen sowie steigende Mordzahlen. Die Zahl dieser Delikte habe sich von 2007 bis 2009 verdoppelt.

Um 40 Prozent abgenommen hat im gleichen Zeitraum die Zahl der Personen, die berechtigt sind, Krankengeld zu beziehen. Aktuelle Daten lassen zudem darauf schließen, dass die Zahl der HIV-Neuinfektionen dieses Jahr 50 Prozent höher liegt als 2010.

Kentikelenis und Kollegen betrachten die Entwicklung in Griechenland mit großer Sorge. Die Wirtschaftskrise dürfe nicht dazu führen, die ultimative Quelle des Wohlstandes Griechenlands zu unterminieren, nämlich die Gesundheit seiner Bevölkerung.

Mehr zum Thema

Corona-Studien-Splitter

Dritte Impfung mit Comirnaty® frischt Schutz zuverlässig auf

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Claudia Vollbracht, Humanbiologin und medizinische Wissenschaftlerin beim Unternehmen Pascoe

© [M] Privat; Levan / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wie Vitamin-C-Infusionen bei COVID-19 helfen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe
Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Infusionen bei Long-COVID

Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Impetigo bei einem fünf Jahre alten Kind.

© FotoHelin / stock.adobe.com

practica 2021

Bei Impetigo contagiosa ist Abstrich meist überflüssig

Impfausweis mit Comirnaty-Eintrag: Welcher ist immunogener – der Corona-Impfstoff von BioNTech oder der von Moderna?

© Bikej Barakus / stock.adobe.com

Corona-Studien-Splitter

Dritte Impfung mit Comirnaty® frischt Schutz zuverlässig auf

Gut ausgebildete Medizinische Fachangestellte werden immer häufiger aus den Praxen abgeworben, beklagt Virchowbund-Vorsitzender Dr. Dirk Heinrich. In der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, wie systemrelevant MFA sind.

© Virchowbund

MFA häufig abgeworben

Virchowbund-Chef: „Ein Arzt alleine ist noch keine Praxis!“