Finasterid-Therapie erhöht die Sensitivität von PSA-Tests

PARIS (grue). Der 5-Alpha-Reduktasehemmer Finasterid senkt das Risiko für Prostata-Karzinome und erhöht die Treffsicherheit von Biopsien zur Aufdeckung höhergradiger Tumore der Prostata. Das hat eine neue Auswertung einer Krebspräventionsstudie mit Finasterid gezeigt.

Veröffentlicht:

Die PCPT-(Prostate Cancer Prevention Trial)-Studie hatte vor gut zwei Jahren für Aufsehen gesorgt, weil sie zunächst widersprüchliche Ergebnisse geliefert hatte (wir berichteten).

An der PCPT-Studie hatten fast 19 000 gesunde Männer teilgenommen, die für sieben Jahre mit Finasterid 5 mg täglich oder Placebo behandelt wurden. Mit Finasterid (Proscar®) war das Krebsrisiko signifikant um 25 Prozent geringer (18 versus 24 Prozent).

Der Anteil aggressiver Tumore allerdings war um 25 Prozent höher (6,4 versus 5,1 Prozent). Dabei handele es sich um ein methodisches Problem, sagte Professor Scott Lippman aus Houston in den USA bei einer Veranstaltung des Unternehmens MSD in Paris.

Denn unter Finasterid sei das Prostatavolumen im Mittel um 27 Prozent zurückgegangen. Dadurch habe sich die Zahl positiver Biopsiebefunde erhöht. "Die Beurteilung der Malignität mit Hilfe einer festgelegten Zahl von Stanzbiopsien führt dazu, daß in einer kleinen Prostata mehr bösartige Zellen gefunden werden, die zu einer höhergradigen Einstufung im Gleason-Wert führen", so Lippman.

Tatsächlich sei die Treffsicherheit von Biopsien in der Verum-Gruppe besser gewesen: Höhergradige Tumore wurden damit zu 70 Prozent entdeckt, in der Placebo-Gruppe nur zu 50 Prozent.

Es gebe keinen Hinweis darauf, daß Finasterid die Tumordifferenzierung ungünstig beeinflußt. "Denn im zeitlichen Verlauf der Studie ist die Krebsinzidenz in der Verum-Gruppe nicht gestiegen", sagte Lippman auf der Veranstaltung.

Noch ein weiterer Umstand habe zur Verzerrung der Studienergebnisse beigetragen: Mit Finasterid funktioniert der PSA-Test zur Abschätzung des Karzinomrisikos besser. Das Medikament halbiert den PSA-Wert gesunder Männer, verhindert aber nicht einen durch Krebszellen ausgelösten PSA-Anstieg. Es werden in diesem Fall schneller die PSA-Grenzwerte erreicht.

Verringertes Krebsrisiko, zuverlässige Biopsien und sensitive PSA-Messungen - das seien wichtige Beiträge von Finasterid zur Prävention und Früherkennung von Prostatakrebs, sagte der Urologe.

Mehr zum Thema

Prostatakarzinom

Einladung zum PSA-Screening senkt die Krebssterblichkeit

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nicht-ärztliche Betreuung

Hypertonietherapie raus aus der Allgemeinpraxis?

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie funktioniert Gesundheitsversorgung im Kollektiv, Frau Dr. Hänel?

Lesetipps
Globuli in Fläschchen

© ChamilleWhite / Getty Images / iStock

Leitartikel

Homöopathie: Eine bloße Scheindebatte

Eine neue Leitlinie, die Ende diesen Jahres veröffentlicht werden soll, soll Ärzten und Ärztinnen in der hausärztlichen Versorgung helfen, Patienten und Patientinnen zur Vitamin-D-Substitution adäquat zu beraten.

© irissca / stock.adobe.com

32. Jahreskongress der SGAM

Empfehlungen zur Vitamin-D-Substitution: Neue Leitlinie angekündigt