Experiment an Mäusen

Fluconazol hilft Niere auf die Sprünge

Ein Antimykotikum könnte sich als Therapieoption bei Diabetes insipidus erweisen.

Veröffentlicht:

BERLIN. Beim Antimykotikum Fluconazol haben Forscher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) überraschende neue Eigenschaften entdeckt. Die Substanz helfe, Wasser aus dem Urin zu reabsorbieren, wie die Wissenschaftler in Nagern nachgewiesen haben (J Am Soc Nephrol 2019; online 19. April). Die Arznei könnte künftig bestimmten Patienten mit Diabetes insipidus helfen, berichtet das MDC.

Fluconazol aktiviere Aquaporine in den Zellen der Niere. Diese bilden ja Poren in der Zelloberfläche, durch die Wassermoleküle rückresorbiert werden können. Normalerweise wird dieser Prozess durch Vasopressin gesteuert, erinnert das MDC. Bei Mäusen, bei denen die Vasopressin-Wirkung außer Kraft gesetzt wurde, konnte Fluconazol etwa 30 Prozent der normalen Wasserrückgewinnung wiederherstellen.

„Fluconazol nützt nur etwas, wenn in der Nierenzelle noch die Maschinerie für die Aquaporine intakt ist“, erklärt Studienleiter Privatdozent Dr. Enno Klußmann in der MDC-Mitteilung. Patienten, deren Aquaporin-Gen mutiert ist, könnte eine zukünftige Therapie mit Fluconazol nicht helfen.

Hoffnung gebe es jedoch für die Betroffenen, deren Körper erblich bedingt zu wenig Vasopressin produziert, oder deren Nierenzellen durch eine Mutation gegenüber dem Hormon unempfindlich sind, heißt es weiter. Zudem scheidet etwa die Hälfte der Personen unter Lithium-Therapie zu viel Wasser aus. Auch ihre Nieren reagieren nicht mehr ausreichend auf das Hormon und könnten im Prinzip von Fluconazol profitieren.

Die genaue Wirkung von Fluconazol auf die Niere analysierte MDC-Forscherin Tanja Vukicevic an Zellen des Sammelrohrs von Ratten. In ihren Versuchen beobachtete sie, wie die AquaporinMoleküle unter dem Einfluss des Medikaments an die Oberfläche der Zelle wandern.

Ein Team von der Christian-Albrechts-Universität Kiel präparierte die winzigen Sammelrohre aus Mäusenieren und wies dort direkt nach, dass Fluconazol den Wassertransport verbessert. Als nächsten Schritt planen die Forscher eine Studie an einigen wenigen Personen. (eb)

Mehr zum Thema

Nephrologe rät

RAS-Blocker bei Hyperkaliämie möglichst nicht sofort absetzen

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Alexander Baasner und Dr. Stefan Spieren (v.l.) haben die Idee der Digitalen Hausärztlichen Versorgungsassistenten (DIHVA) entwickelt.

© Digitales Facharzt- & Gesundheitszentrum

Neues Berufsbild

Bürger als Assistenten: Hausarzt entwickelt Idee der DIHVA

Das Team um Dr. Nicolas R. Barthélemy geht davon aus, dass mit dem Bluttest über die LC-MS-Methode in einem größeren Maßstab mehr Menschen auf eine Alzheimer-Pathologie untersucht werden können, als dies mit Lumbalpunktion und Liquortests bisher möglich ist. Damit ließe sich wesentlich einfacher ermitteln, ob jemand für die neuen Alzheimertherapeutika infrage komme.

© angellodeco / stock.adobe.com

Nachweis von pTau-217

Alzheimer-Diagnostik: Neuer Bluttest offenbar so gut wie Liquortests