Gesundheitsökonomie

Folgeschäden vervielfachen die Kosten bei Typ-2-Diabetes

Mit der Prävention von Folgeerkrankungen bei Typ-2-Diabetes ließe sich viel Geld sparen. Das bestätigt eine sorgfältige Daten-Analyse mit über 316.000 GKV-Patienten.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht:
Die Folgekosten von Typ-2-Diabetes können enorm ausfallen.

Die Folgekosten von Typ-2-Diabetes können enorm ausfallen.

© fotomek / stock.adobe.com

MÜNCHEN. Welche Kosten werden durch die Versorgung einzelner Folgeerkrankungen bei Typ-2-Diabetes verursacht? Um dies zu klären haben Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München Krankenkassen-Daten von 316.220 Patienten untersucht. Die Analyse ist die erste in einer derartigen Größe und in einem so genauen Grad der Detaillierung bei Typ-2-Diabetes in Deutschland, berichten die Forscher um Erstautorin Katharina Kähm in einer Mitteilung des Zentrums.

Die Doktorandin und ihre Kollegen vom Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM) an dem Zentrum haben dabei die Daten aus den Jahren 2012 bis 2015 nach den Folgeschäden von Diabetes aufgeschlüsselt. Berücksichtigt wurden die Kosten für die ambulante und stationäre Versorgung, Medikamente sowie Reha-Maßnahmen und medizinische Hilfsmittel (Diabetes Care 2018; online 18. Januar).

Anhand der Datengrundlage ließen sich die Kosten der einzelnen Folgeerkrankungen detailliert ermitteln. Diese werden dargestellt anhand einer Beispielrechnung bei einem Mann mit Typ-2-Diabetes im Alter von 60 bis 69 Jahren. Denn meist machen sich der Diabetes und die Folgeschäden erst in diesem Alter bemerkbar. "Ohne Folgeerkrankungen fallen für einen solchen Diabetiker im Mittel 703 Euro im Quartal für die Versorgung an", so Kähm zur "Ärzte Zeitung". Ermittelt wurden zudem die Kosten der jeweiligen Folgeerkrankung in dem Quartal, in dem sie erstmals aufgetreten war:

- bei einer Retinopathie waren es rund 700 Euro,

- bei Erblinden etwa 3000 Euro,

- bei Nephropathie etwa 3400 Euro,

- bei Nierenversagen mit Dialyse rund 23.000 Euro,

- bei Diabetischem Fuß 1300 Euro,

- bei Amputation über 14.000 Euro.

"Zudem reichen die mittleren Kosten bei Herz- Kreislauferkrankung von 2700 für Angina pectoris bis 20.000 Euro für tödliche ischämische Komplikationen", wird Dr. Michael Laxy, Arbeitsgruppenleiter am IGM und Mitautor der Studie, in der Mitteilung zitiert. Dazwischen wurden Kosten für einen nicht-tödlichen Herzinfarkt von rund 8000 Euro und für einen Schlaganfall von 9800 Euro ermittelt. Bei chronischer Herzinsuffizienz lagen die Kosten bei 3900 Euro. "Auch in den Quartalen nach erstmaligem Eintritt dieser Folgeerkrankungen bleiben die Kosten erhöht", betont Laxy.

Die Studie soll langfristig zur Verbesserung der Vorsorgeprogramme beitragen: "Die Ergebnisse zeigen klinischen und gesundheitspolitischen Entscheidungsträgern die erheblichen finanziellen Folgen von Diabetes-bedingten Komplikationen auf", so Studienautor Professor Rolf Holle in der Mitteilung. "Die Studie kann also die Planungen und Priorisierung neuer Präventions- und Behandlungsprogramme im Management von Typ-2-Diabetes unterstützen." Künftig wollen die Forscher untersuchen, welche ökonomischen Auswirkungen mehrere gleichzeitig bestehende Erkrankungen haben.

Mehr zum Thema

100 Jahre Insulintherapie

Diabetologen machen Lücken in der Versorgung von Kindern aus

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Olaf Scholz ist von der Entscheidung Bayerns, die 2G-Plus-Regel in der Gastronomie nicht umzusetzen, etwas angefressen.

© dpa

Update

Bund-Länder-Beschluss

Lauterbach muss jetzt nationale Teststrategie überarbeiten