Unwiderstehlicher Geruch

Forscher können Malaria jetzt riechen

Ein Malaria-Test sollte schnell und preiswert sein. Der Körpergeruch verrät eine Infektion bereits, bevor sich Symptome zeigen, haben Wissenschaftler nun entdeckt – und hoffen damit einen solchen Test zu entwickeln.

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Der Malariaerreger verändert das Duftstoffprofil einer infizierten Person, was sie für die erregerübertragende Anopheles-Mücke attraktiver macht.

Der Malariaerreger verändert das Duftstoffprofil einer infizierten Person, was sie für die erregerübertragende Anopheles-Mücke attraktiver macht.

© James Gathany, ETH Zürich / CDC

ZÜRICH. Eine Malaria-Infektion kann gerochen werden: Einen entsprechenden Testansatz haben Forscher der ETH Zürich entwickelt und im Magazin "PNAS" publiziert (doi: 10.1073/pnas.1801512115). Die Wissenschaftler haben ein Geruchsprofil identifiziert, welches nur Erkrankte ausdünsten, schreiben die Schweizer in einer Mitteilung. Sie erhoffen sich, künftig auch Infizierte zu erkennen, die noch keinerlei Symptome zeigen.

In Zusammenarbeit mit kenianischen Kollegen des Internationalen Zentrums für Insektenphysiologie und -ökologie in Nairobi untersuchten die Forscher bei kenianischen Kindern flüchtige chemische Verbindungen, die über die Haut ausgedünstet werden. Bei mehr als 400 Schulkindern analysierten sie deren Ausdünstungen mittels Gaschromatographen.

Unterschiedliche Duftstoffkonzentration

Durch einen Vergleich von erkrankten und gesunden Kindern fanden die Züricher Forscher heraus, welche Geruchsverbindungen auf eine Malaria-Infektion hindeuten. "Die spezifische Geruchssignatur der Erkrankung wird durch Konzentrationsänderungen von Stoffen erzeugt, die auch bei Gesunden vorhanden sind", erklärt Consuelo De Moraes, Professorin für Biokommunikation und Ökologie. Die Konzentrationsänderungen unterscheiden Gesunde von Kranken. Laut eigenen Angaben lag die Aufklärungsrate bei symptomlosen Infektionen bei fast 100 Prozent.

Und: Der Geruchstest unterscheidet sogar zwischen einer asymptomatischen und einer akuten Infektion, so das Team der ETH. Es habe die Forscher selbst überrascht, dass das Geruchsprofil beider Patienten-Gruppen sich deutlich unterscheide.

Preiswerter Frühtest auf Malaria?

Das erarbeitete Profil könnte als Konzept für einen günstigen Malaria-Frühtest dienen. Für bisherige Tests auf eine frühe Infektion – zum Beispiel mittels PCR – wird eine Laborinfrastruktur benötigt, was die Tests vergleichsweise teuer macht. Bereits im vergangenen Jahr hatten amerikanische Forscher einen Atemtest entwickelt, der Malaria mit einer 83-prozentigen Genauigkeit in einer Studie identifiziert hatte. Einer der identifizierten Duftstoffe habe nach Pinien gerochen.

Die Wissenschaftler vermuten darüber hinaus, dass auch andere Krankheiten, die durch einen Wirt übertragen werden, per Geruchstest nachweisbar sind. Krankheiten veränderten die Duftnote des Infizierten. Dadurch würden wiederum Wirte angelockt, wodurch ein Kreislauf der Infektion beginnt.

Die Forscher hatten diesen Kreislauf entdeckt, als sie beobachtet hatten, welche Mäuse Mücken besonders gerne stechen. Sie hatten festgestellt, dass infizierte Mäuse für jene Anopheles-Mücken unwiderstehlich attraktiv duften. So kam das Team auf die Idee, dass die Stechattraktivität auch bei Menschen durch den Geruch bestimmt werden könnte. (ajo)

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