Freundliche Bakterien gegen chronische Darmentzündung

Schottische Forscher haben erfolgreich eine neue Behandlungsmethode bei Colitis ulcerosa getestet. Ein Synbiotikum führte bei Patienten mit einem Krankheitsschub innerhalb eines Monats zu signifikanten klinischen und histologischen Symptomlinderungen.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

Kolitis-Patienten fehlt offenbar etwas, was Gesunde haben: "Wir haben festgestellt, daß im Darm von Kolitis-Patienten eine bestimmte Bakterien-Art selten ist, welche bei Gesunden zur normalen Darmflora gehört", so der Bakteriologe Professor George Macfarlane von der Universität Dundee zur "Ärzte Zeitung".

Dabei handelt es sich um Bifidobakterien. In Zellkulturen reduzierten diese "freundlichen Bakterien", so Macfarlane, die Menge entzündungsfördernder Zytokine, wirkten also antientzündlich. Damit war die Idee geboren, die Bakterien in Form eines Probiotikums zu verwenden.

"Wir haben die Bakterien gezüchtet, gefriergetrocknet und in Kapseln gepackt", sagt Macfarlane. Pro Kapsel waren das zwei Milliarden Bakterien, deren Namen er wegen eines laufenden Patent-Verfahrens nicht verraten möchte.

In einer doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie schluckten 18 Colitis-ulcerosa-Patienten mit Entzündungs-Schub zusätzlich zur üblichen Therapie einen Monat lang morgens und abends je eine Kapsel. Damit sich die "freundlichen Bakterien" im Gastrointestinaltrakt gegen die vielen anderen Mikroben behaupten können, wurde zugleich eine Kohlenhydratquelle als Präbiotikum verabreicht. Dabei handelte es sich um Fructooligosaccharide, von denen bekannt ist, daß sie selektiv die Vermehrung von Bifidobakterien unterstützen.

Koloskopien und Biopsien der Darmschleimhaut vor und nach der vierwöchigen Therapie ergaben gut erkennbare, teilweise signifikante Vorteile für die Therapie mit dem Synbiotikum im Vergleich zu Placebo. Dies betraf etwa die Entzündungszeichen in der Darmschleimhaut, die Zahl von Ulzerationen der Darmwand, die allgemeine Befindlichkeit und die Lebensqualität. So hatte zum Beispiel einer von Macfarlanes Patienten vor der Therapie 64 Stuhlgänge pro Woche. Nach vier Wochen waren es nur noch halb so viele. Vor allem waren die Stuhlgänge nicht mehr schmerzhaft und enthielten nur noch selten Blut. Die genauen Ergebnisse der Studie sollen in wenigen Monaten in der Zeitschrift "Gut" (http://gut.bmjjournals.com) publiziert werden.

Ob die Effekte der Synbiotika-Therapie auch über einen längeren Zeitraum anhalten, wird nun in einer Multicenter-Studie über sechs bis zwölf Monate geprüft. Macfarlane geht davon aus, daß noch weitere Bakterienarten bei Kolitis-Patienten schützend wirken. Sollte sich eine zentrale Bedeutung der Bakterien für die Pathophysiologie der Erkrankung bestätigen, könnte dies seiner Meinung nach zu einem grundlegenden Wandel der Therapiestrategie bei Colitis ulcerosa führen.



STICHWORT

Probiotikum

Das sind Nahrungssupplemente, die aus lebenden Mikroorganismen bestehen. Sie sollen das Gleichgewicht der 400 bis 500 im Darm lebenden Bakterienarten so beeinflussen, daß der Wirt - Mensch oder Tier - davon profitiert.

Präbiotikum

Unverdauliche Nahrungsbestandteile mit positiven Auswirkungen auf die Gesundheit: Sie stimulieren selektiv das Wachstum bestimmter Darmbakterien.

Synbiotikum

Produkte mit probiotischen Bakterien, denen präbiotische Kohlenhydrate zugesetzt werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: Symptomverbesserung unter Upadacitinib zu Woche 8 und 52

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [2]

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Erste Real-World-Daten bei Colitis ulcerosa und neue Langzeitdaten bei Morbus Crohn zu Upadacitinib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG, Wiesbaden
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?

Lesetipps
Vorbereitung für die Obduktion eines Leichnams.

© sudok1 / stock.adobe.com

Autopsiestudie

So häufig wird der Krebs erst nach dem Tod erkannt