Infektionen

Gebissen werden oft Kleinkinder

Kinder unter fünf Jahren sind die häufigsten Opfer bissiger Hunde. Die meisten Infektionen entstehen aber nach Katzenbissen. In einer retrospektiven Studie wurden Daten aus 19 Jahren Unfallversorgung zusammengetragen.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Nicht immer steckt Aggressivität dahinter, oft passiert eine Verletzung auch beim Spielen.

Nicht immer steckt Aggressivität dahinter, oft passiert eine Verletzung auch beim Spielen.

© Andrey Bandurenko/fotolia.com

WIEN. Lippen, Zunge, Wangen und Finger sind die häufigsten Stellen an denen Kinder Bisswunden erleiden.

Dabei liegt die Zahl der Hundebisse etwa so hoch wie die der Menschenbisse.

Letztere kommen meist durch Selbstverletzungen zustande. Dies ergab eine retrospektive Studie, die Ursachen und Folgen von Bissverletzungen untersuchte (Injury 2012; 43: 2117).

Stellt sich ein Patient mit Bissverletzung vor, gilt es schnell einzuschätzen, wie hoch das Infektionsrisiko ist, ob ein Antibiotikum benötigt wird oder ob die Wunde eventuell chirurgisch versorgt werden muss.

Doch sowohl die Art des Wundmanagements als auch die Frage nach einer Antibiotikaprophylaxe werden in der Literatur kontrovers diskutiert.

Daten von knapp 1600 Kindern ausgewertet

Manuela Jaindl und Kollegen, Wien, werteten jetzt die Daten von 1592 Kindern aus, die zwischen 1992 und 2011 im Traumazentrum der Medizinischen Universität Wien nach Bissverletzungen versorgt worden waren.

43,8 Prozent der im Durchschnitt 7,7 Jahre alten Kinder waren von einem Hund gebissen worden, 3,9 Prozent von einer Katze, 8,7 Prozent von anderen Tieren und 43,6 Prozent hatten Menschenbisse erlitten. Bekannte Hunde hatten am häufigsten in die Wange gebissen, Katzen und andere Tiere eher in den Finger.

Fremde Hunde dagegen schnappten bevorzugt nach dem Oberschenkel, unbekannte Katzen lieber nach der Hand, und alle anderen Tiere bissen am häufigsten in den Finger.

444 Kinder hatten sich selbst auf die Lippe gebissen, 134 auf die Zunge und 22 in die Wange. Die häufigsten Fremdbisse verletzten Lippen (16), Finger (13) und Wangen (10).

Zu 55,2 Prozent waren Jungen, zu 44,8 Prozent Mädchen betroffen, wobei die meisten Hundebisse eher bei Jungs vorkamen, Katzenbisse dagegen häufiger bei Mädchen.

10,7 Prozent der Wunden hatten sich infiziert, am häufigsten wenn sie durch einen Katzenbiss entstanden waren (37,1 Prozent Primär- und Sekundärinfektionen vs. 14,6 Prozent nach Hundebissen vs. 3,5 Prozent nach Menschenbissen).

Bei punktierten Wunden und solchen größer als 3 cm war die Infektionsrate dreimal größer als bei allen anderen Verletzungen. 13,9 Prozent der Kinder hatten eine primäre Antibiotikatherapie erhalten, 1,3 Prozent eine sekundäre.

Die sekundären Infektionsraten waren signifikant höher bei Patienten, die eine primäre Antibiotikatherapie erhalten hatten (14,9 vs. 3,7 Prozent). 1,7 Prozent der Kinder waren chirurgisch versorgt worden.

Kleine Kinder können Verhalten der Tiere nicht einschätzen

Fazit der Autoren: Fast drei Viertel aller Bissverletzungen durch Hunde betrafen Kinder im Alter bis zu fünf Jahren, und überwiegend waren es bekannte Tiere, die plötzlich wild wurden.

Dies liegt einerseits daran, so die Autoren, dass kleine Kinder das Verhalten der Tiere nicht einschätzen können, andererseits befinden sich die Hauptangriffspunkte Gesicht und Hände etwa auf gleicher Höhe mit dem Hund.

Nur wenige der Wunden benötigten eine chirurgische Versorgung, und auch eine Antibiotikatherapie war nicht oft erforderlich.

Demnach ist bei rascher Erstversorgung und enger Wundkontrolle offenbar in der Regel mit einer unkomplizierten Wundheilung zu rechnen.

Quelle: www.springermedizin.de

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