Orthopädie

Geflickter Meniskus verträgt Kniebeugen

Nach der Reparatur eines eingerissenen Meniskus raten viele Orthopäden dazu, starke Gewichtsbelastung und große Beugewinkel zu vermeiden. US-Sportmediziner haben nun getestet, was dieser Rat wirklich taugt.

Veröffentlicht:
Meniskus: Nach einer Op darf gebeugt werden.

Meniskus: Nach einer Op darf gebeugt werden.

© Springer Verlag

HOUSTON/TEXAS. Für ihre Studie präparierten die Forscher um David Lin vom Methodist Hospital in Houston zehn Knie von Leichen. In die Menisken wurden Paare röntgendichter Tantalkügelchen eingelassen (Am J Sports Med 2013; online 23. Juli).

Unter Beugebelastungen von 29 N auf der hinteren Oberschenkelmuskulatur und 150 N auf dem Quadrizeps wurden dann biplanare Röntgenaufnahmen in Winkeln von 90°, 110° und 135° angefertigt.

Die ersten Aufnahmen erfolgten mit intakten Menisken, eine zweite Serie schossen die Wissenschaftler, nachdem sie dem Innenmeniskus einen 2,5 cm langen longitudinalen Riss zugefügt hatten.

Eine dritte Folge von Aufnahmen zeichnete die Verhältnisse nach Verschluss der Meniskusruptur mit einer vertikalen Matratzennaht nach.

Ein etwaiges Auseinanderweichen der Risskanten sollte dabei am Abstand der Tantalkügelchen abzulesen sein. Als Vergleich dienten die Abstände bei unversehrten Menisken.

In den Belastungsversuchen mit gerissenen Menisken zeigte sich im Gegensatz zur ursprünglichen Annahme, dass die Risskanten selbst bei großen Beugewinkeln nicht auseinanderwichen. Stattdessen kam es zur Kompression in der Transversalebene.

Kein Schaden

Nach dem Flicken der Ruptur näherten sich die Verhältnisse wieder dem Normalzustand, mit Ausnahme der mittleren posterioren Region. Hier war auch nach der Reparatur eine deutliche Transversalkompression nachweisbar.

Intakte Menisken verschieben sich bei Beugungen des Knies um mehr als 90° nach posterior und medial. Längsrisse im Faserknorpel führen zur Entkopplung der Kräfte, wobei der äußere Teil des Meniskus sich nicht mehr so weit nach hinten bewegt.

Die Kompressionskraft, die der Femur auf den inneren Anteil des Meniskus ausübt und die normalerweise auch die übrigen Bereiche des Meniskus nach hinten verschiebt, verpufft über dem Riss.

Im Gegensatz dazu führt der geflickte, durch die Naht starrer gewordene Meniskus eine anteriore Bewegung aus. Insgesamt ähnelt das Muster aber - vom mittposterioren Bereich abgesehen - mehr den intakten als den Rupturverhältnissen.

"Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass nicht-restriktive Bewegungsprotokolle nach einer Meniskusreparatur keinen Schaden anrichten", schreiben Lin und seine Mitarbeiter.

Solche Protokolle hätten einige Vorteile gegenüber dem Rat, das Knie nicht voll zu bewegen und zu belasten. Versteifungen und Muskelatrophien könnten vermieden werden, und die Patienten müssten keine Kniestütze tragen. (rb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Systemischer Lupus erythematodes

13 Tipps zur Umsetzung der europäischen Lupus-Leitlinien

Strukturelle Ursachen ausschließen!

Das sind die Red Flags bei Nackenschmerzen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: sPGA-Ansprechen über zwei Jahre

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [1]

Psoriasis-Therapie bei Kindern und Erwachsenen

PDE-4-Hemmer: erste orale Systemtherapie für Kinder − auch bei besonderen Manifestationen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
CRP-Wert-unabhängig therapieren mit Ixekizumab

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Axiale Spondyloarthritis (axSpA)

CRP-Wert-unabhängig therapieren mit Ixekizumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v. d. H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: So sieht die optimale Therapie (derzeit) aus

Landessozialgericht Baden-Württemberg

Urteil: Vollkostenerstattung der TI war gesetzlich nie beabsichtigt

Strukturelle Ursachen ausschließen!

Das sind die Red Flags bei Nackenschmerzen

Lesetipps
Eine Frau hält eine Lupe über die Abbildung einer Gebärmutter.

© Gambar / stock.adobe.com

Humane Papillomviren

Nach Impfung: HPV-Screening nur zwei- bis dreimal im Leben?

Ein einbandagierter Fuß

© Patrick Bonnor / stock.adobe.com

Wundheilung

Ulcus cruris venosum: Was für die Kompressionstherapie wichtig ist

Rita Süssmuth steht in ihrem Büro im Deutschen Bundestag.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Nachruf

Rita Süssmuth: Kämpferin gegen Diskriminierung