Analyse

Gehäuft Fehlgeburten bei Frauen mit Migräne

Bei Migräne-Patientinnen gibt es vermehrt Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt, zeigt eine dänische Analyse. Auch haben die Neugeborenen öfter Atemprobleme und Fieberkrämpfe.

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 09.08.2019, 14:22 Uhr
Gehäuft Fehlgeburten bei Frauen mit Migräne

Bei Frauen mit Migräne kam es um rund 50 Prozent häufiger zu einer Schwangerschaftshypertonie.

© New Africa / stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie häufig sind Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen bei Frauen mit Migräne?

Antwort: Solche Komplikationen treten nach Resultaten einer dänischen Registeranalyse um rund 20bis 50 Prozent häufiger auf als bei Frauen ohne Migräne.

Bedeutung: Die Schwangerschaft von Migränekranken sollte besonders gut ärztlich überwacht werden.

Einschränkung: Es konnte nur eine begrenzte Zahl von Begleitfaktoren berücksichtigt werden.

AARHUS In Studien war gelegentlich eine Häufung von Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, Früh- und Fehlgeburten oder ein zu geringes Geburtsgewicht bei Kindern von migränekranken Frauen beobachtet worden.

Allerdings seien diese Studien häufig sehr klein und die Aussagekraft daher gering gewesen, berichten Forscher um Nils Skajaa von der Uniklinik in Aarhus in Dänemark.

In einer großen Registeranalyse können sie diesen Verdacht nun bestätigen: Schwangere mit Migräne entwickeln vermehrt Bluthochdruck und andere Schwangerschaftskomplikationen. Zudem leiden Kinder von Müttern mit Migräne gehäuft an Fieberkrämpfen und Atemnot (Headache 2019;59:869–879).

Dänische Patientendaten ausgewertet

Für ihre Analyse haben die Forscher um Skajaa dänische Patientendatenbanken mit Angaben aus den Jahren 2005 bis 2012 ausgewertet.

Sie fanden in dieser Zeit knapp 23.000 Schwangerschaften von Frauen mit einer Migränediagnose oder mit Migränemedikamenten. Jeder davon stellten sie zehn Schwangerschaften von gleichaltrigen Frauen ohne Migräne gegenüber, wobei sie darauf achteten, dass die geplante Entbindung im selben Jahr stattfand.

Zusätzlich schauten sie in den Datenbanken, ob die migränekranken Frauen während der Schwangerschaft eine Akuttherapie oder Prophylaxe gegen ihre Migräne benötigten.

Erhöhtes Risiko für eine Schwangerschaftshypertonie

Die Schwangeren mit und ohne Migräne waren im Schnitt jeweils 31 Jahre alt. Migränekranke Frauen hatten etwas häufiger Bluthochdruck, Depressionen und Asthma als solche ohne.

Wurden diese Begleiterkrankungen zusammen mit anderen Faktoren wie Rauchen, BMI und NSAR-Gebrauch berücksichtigt, so kam es bei Frauen mit Migräne um rund 50 Prozent häufiger zu einer Schwangerschaftshypertonie, 42 Prozent häufiger zu einer Präeklampsie oder Eklampsie und 10 Prozent häufiger zu einer Fehlgeburt.

Keine Häufung fanden die Forscher bei der Rate von Totgeburten (nach der 22. Schwangerschaftswoche) und Gestationsdiabetes.

Der Nachwuchs von migränekranken Frauen hatte 20 Prozent häufiger ein niedriges Geburtsgewicht, kam 21 Prozent häufiger vor der 37. und 35 Prozent häufiger vor der 32. Woche zur Welt und zwar vermehrt per Kaiserschnitt (plus 20 Prozent).

Todesfälle oder Malformationen wurden hingegen nicht gehäuft beobachtet, auch fanden die Forscher keine Unterschiede zwischen Migränepatientinnen mit und ohne Migränemedikation in der Schwangerschaft.

Babys mussten häufiger in die Klinik

Im ersten Monat nach der Geburt mussten die Babys von Frauen mit Migräne häufiger in eine Klinik (plus 11 Prozent) oder auf die Intensivstation (plus 22 Prozent), auch litten sie öfter an einem Atemnotsyndrom (plus 20 Prozent) und Fieberkrämpfen (plus 27 Prozent) als Kinder von Müttern ohne Migräne.

Andere neurologische Probleme wurden nicht gehäuft festgestellt. Auch war es nicht von Bedeutung, ob die migränekranken Frauen während der Schwangerschaft Migräneattacken hatten oder nicht.

Weshalb es bei Schwangeren mit Migräne gehäuft zu Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen kommt, ist noch unklar. Die Forscher um Skajaa vermuten einen Zusammenhang mit der vermehrt auftretenden Hypertonie. Diese wiederum scheine vor allem genetische Ursache zu haben.

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