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KHK und Herzinfarkte

Geht Angst vor Jobverlust auf die Pumpe?

Die Sorge, dass der Job in Gefahr ist, kann auch das Herz in Gefahr bringen. In einer Metaanalyse ist eine erhöhte KHK-Rate festgestellt worden.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Wer seinen Arbeitsplatz gefährdet sieht, hat Stress und körperliche Beschwerden. Und wohl auch ein erhöhtes KHK-Risiko.

Wer seinen Arbeitsplatz gefährdet sieht, hat Stress und körperliche Beschwerden. Und wohl auch ein erhöhtes KHK-Risiko.

© Jürgen Fälchle / fotolia.com

HELSINKI. Die zunehmende Arbeitsplatzunsicherheit in Zeiten von globaler Konkurrenz und Finanzkrise bedroht Erwerbstätige auch im Hinblick auf ihre Gesundheit.

Psychischer Stress, körperliche Beschwerden und eine schlechtere Bewertung der eigenen Gesundheit sind nachgewiesene Folgen.

Und eine Metaanalyse belegt jetzt, dass auch die KHK-Rate steigt: Arbeitnehmer, die die Unsicherheit des eigenen Jobs als hoch einschätzten, hatten nach Berücksichtigung des Alters ein um 32 Prozent höheres 10-Jahres-Risiko für eine KHK als Berufstätige mit geringer Jobunsicherheit (BMJ 2013; 347: f4746).

In die Analyse waren alle verfügbaren prospektiven Kohortenstudien eingeflossen.

Dabei handelte es sich außer um vier publizierte Studien auch um bisher nicht veröffentlichte individuelle Daten aus 13 Studien des Individual-Participant Data Meta-analysis in Working Populations Consortium, alles Studien aus Europa oder den USA.

Insgesamt 174.438 zunächst herzgesunde Berufstätige waren nach der Unsicherheit ihres gegenwärtigen Arbeitsplatzes - hoch oder niedrig - gefragt worden.

Die Quote derer, die ihre berufliche Situation als sehr ungewiss empfanden, schwankte je nach Studie zwischen 10 und 40 Prozent, insgesamt gaben 16,3 Prozent diese Einschätzung zu Protokoll.

Während der mittleren Nachbeobachtungszeit von 9,7 Jahren hatten 1892 Teilnehmer eine KHK entwickelt, definiert als nicht tödlicher Herzinfarkt oder als Tod mit koronarer Ursache.

Geschlecht und Alter spielen keine Rolle

Probanden, die über eine hohe Jobunsicherheit klagten, hatten einen niedrigeren sozioökonomischen Status und mehr klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren als Probanden, die sich diesbezüglich keine Sorgen machten.

Diese beiden Faktoren erklärten zumindest teilweise auch ihre höhere KHK-Rate. Ihr Risiko blieb aber auch nach Abzug dieser Einflüsse noch um 19 Prozent erhöht. Geschlecht, Alter, Arbeitslosenquote und Sozialsystem spielten dabei keine nachweisbare Rolle.

"Das Gefühl von Arbeitsplatzunsicherheit ist allenfalls ein bescheidener Risikofaktor für eine KHK", schreiben die Studienautoren um Professor Marianna Virtanen vom finnischen Institut für Arbeitsmedizin.

"Wir können jedoch nicht ausschließen, dass diese Angst insbesondere bei anfälligen Personen der koronaren Gesundheit schadet."

Die Autoren des begleitenden Editorials, Professor Cary Cooper, Lancaster, und Brian Faragher, Liverpool, halten dieses Fazit jedoch für allzu vorsichtig: "Die Assoziation zwischen Arbeitsplatzunsicherheit und erhöhtem KHK-Risiko kann nicht als Artefakt abgetan werden; die vorhandene Evidenz spricht dafür, dass es sich um einen kausalen Zusammenhang handelt."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Prekäre Verhältnisse

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