Knochenkrebs

Genetisches Merkmal eröffnet Therapie-Option

Ein bestimmtes genetisches Muster taucht bei Knochentumoren immer wieder auf. Der Befund gibt Hinweise für eine mögliche neue Behandlungsform.

Veröffentlicht: 23.12.2015, 17:35 Uhr

NEUHERBERG. Bisher galten Knochentumoren als genetisch sehr vielfältig, sodass sich Analysen des Erbguts kaum für die Behandlung nutzen ließen.

Jetzt haben Forscher des Helmholtz Zentrums München gemeinsam mit Kollegen der TU und des Universitätsspitals Basel ein genetisches Merkmal bei Osteosarkomen entdeckt. Die Daten zeigen neue Perspektiven für Therapieansätze auf (Nature Communications 2015; online 3. Dezember).

Das Osteosarkom ist der häufigste maligne Knochentumor bei Kindern und Jugendlichen und entsteht meistens in der Pubertät, berichtet das Helmholtz Zentrum München in einer Mitteilung. Nach bisherigem Wissenstand zeichnet es sich durch eine enorme genetische Vielfalt aus, was die Forschung an Diagnose und Therapien bis dato erschwerte.

"Bisher war man davon ausgegangen, dass die sehr heterogenen genetischen Veränderungen beim Osteosarkom zufällig und ungerichtet sind", wird Professor Michaela Nathrath von dem Zentrum in der Mitteilung zitiert. Ihr Team hat zusammen mit Kollegen aus Basel Erbgut-Veränderungen bei insgesamt 123 Osteosarkomen untersucht.

Gensignatur von Brustkrebs bekannt

Dabei kristallisierten sich zunächst 14 Gene heraus, die die Tumorentwicklung offenbar entscheidend vorantreiben, sogenannte Driver-Gene.

Weitere Analysen ergaben, dass über 80 Prozent der untersuchten Osteosarkome eine bestimmte Konstellation dieser Gene aufwiesen, die bereits aus anderen Tumorarten bekannt ist.

Die Forscher fanden dabei eine Gen-Signatur, die auch bei Mamma- und Ovarialkarzinom häufig zu beobachten ist. Dabei werden die DNA-Reparatur-Gene BRCA1 und 2 durch Mutation oder Deletion derart verändert, dass sie ihre schützende Funktion für das Erbgut nicht mehr ausführen können.

Da es entsprechende Medikamente (PARP-Inhibitoren) bereits gibt, hoffen die Forscher, eine neue Therapieoption für Patienten mit Osteosarkomen zu finden. PARP steht für die Poly-(ADP-Ribose)-Polymerase.

Dieses Enzym ist ebenso wie BRCA Teil der DNA-Reparatur der Zellen. Hemmt man es pharmakologisch, führt dies zu massiver DNA-Schädigung und in der Folge zum zellulären Selbstmord (Apoptose).

Auszeichnung für Studienleiterin

"Unsere Erkenntnisse eröffnen nach Jahrzehnten des Stillstands in der Osteosarkom-Therapie eine neue Therapieoption", so Studienleiterin Nathrath. Sie wurde auf dem Weltkongress der Internationalen Gesellschaft für Kinderonkologie (SIOP) für ihre Arbeiten mit dem Noellenburg Award ausgezeichnet.

Die Ergebnisse bilden den erfolgreichen Abschluss einer zehnjährigen klinischen Kooperation zwischen den Instituten für Pathologie sowie für Strahlenbiologie am Helmholtz Zentrum München und der Kinderklinik und Poliklinik der TU München.

Gemeinsam ist es gelungen, klinisch relevante Erkenntnisse zur verbesserten Behandlung von Osteosarkom-Patienten zu gewinnen. (eb/eis)

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