Diabetes und COVID-19

„Gesünder unter 7“ informiert zu Risiken der Pandemie

Bei der Initiative „Gesünder unter 7 PLUS“ wurde vor den Gesundheitsgefahren für Diabetiker durch die Corona-Pandemie gewarnt.

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Neu-Isenburg. Patienten gehen während der Pandemie seltener zum Arzt, und das ist besonders bei Diabetes bedenklich, hat Dr. Karsten Milek von der Hausarzt- und diabetologischen Schwerpunktpraxis Hohenmölsen-Weißenfels in Sachsen-Anhalt bei einer virtuellen Veranstaltung zur Aufklärungsaktion „Gesünder unter 7 PLUS“ betont. Schleichende Entwicklungen bei Patienten würden oft erst spät bemerkt. Ein Beispiel: Von März bis Mai 2020 wurden 238 Kinder mit Diabetischer Ketoazidose (DKA) in Deutschland behandelt und damit fast doppelt so viele wie in den Vorjahreszeiträumen. Ein weiteres Problem sei der Bewegungsmangel, unter dem ebenso besonders die Kinder litten.

Professor Matthias Blüher von der Endokrinologie und Nephrologie des Universitätsklinikums Leipzig bestätigte solche Erfahrungen auch für Patienten mit Typ-2-Diabetes. Durch drastischen Bewegungsmangel hätten viele 3 bis 5 kg an Gewicht zugelegt. Die Angst vor einer SARS-CoV2-Infektion sei groß. Manche Patienten reagierten depressiv auf die Situation.

Blüher erinnerte, dass Diabetiker COVID-Risikopatienten seien. Mit der pandemiebedingten Gewichtszunahme stiegen oft auch die Blutzuckerwerte. Bei schlechter Kontrolle (HbA1c ≥7,5 Prozent) sollen Patienten daher schon auf Prioritäts-Stufe 3 geimpft werden, bei guter Einstellung (HbA1c<7,5 Prozent) auf Prioritäts-Stufe 4.

Beide Referenten würdigten die Fortschritte, die seit dem ersten Einsatz von Insulin beim Menschen vor 100 Jahren erzielt worden sind. Typ-1-Diabetiker haben mit modernen Präparaten heute eine nahezu normale Lebenserwartung, hob Blüher hervor. Er selbst stamme aus einer Typ-1-Familie und verdanke seine Existenz somit letztlich der Insulintherapie. (jgr)

Die nächste virtuelle „Gesünderunter-7-Aktion“ gibt es am 24. Juni; Infos: www.gesuender-unter-7.de

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