Gezielte Strategien gegen resistente Keime

Multiresistente Erreger breiten sich immer mehr aus. Gegenmittel ist eine Einschränkung der AntibiotikaVerordnungen, denn Studien zufolge nimmt die Zahl der Resistenzen mit steigender Antibiotika-Einnahme zu.

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DÜSSELDORF (MUC/eb). Fast 25 000 Patienten sterben in Europa jährlich an Infektionen durch multiresistente Erreger (MRE). Das seien mehr Todesfälle als durch HIV/AIDS, Parkinson, Emphysem und Suizid zusammen, berichtete Dr. Florian Wagenlehner beim Urologen-Kongress in Düsseldorf. Die Zahl der MRE nehme auch in Europa immer weiter zu, so der Urologe aus Gießen. In einigen Ländern sind bis 50 Prozent mancher Erregerspezies resistent, wie Untersuchungen schon 2008 ergaben.

Als Grund für die Zunahme der Resistenzen nannte Wagenlehner die empirische Therapie ohne Antibiogramm: Je höher die Resistenzen, desto eher kommt es zum Therapieversagen. Das wiederum führt zur Verwendung weiterer Breitspektrumantibiotika, die ein höheres Potenzial haben, resistente Erreger zu selektionieren. Daten belegen einen klaren Zusammenhang zwischen dem Antibiotikaverbrauch und der Zahl der Resistenzen. Das sei vor allem problematisch, weil momentan keine neuen Antibiotika zur Verfügung stünden, sagte der Urologe.

Zur Prävention von nosokomialen Infektionen mit MRE seien interdisziplinäre Aktivitäten notwendig, forderte Professor Axel Kramer vom Uniklinikum Greifswald. Dazu gehörten Screening, (virtuelle) Isolierung, wenn möglich Sanierung, Multibarrierenstrategie (Ineinandergreifen der Hygienestandards), Antibiotikarichtlinien und qualitätssichernde Maßnahmen. Dass solche Strategien erfolgreich sind, zeigt das Beispiel der Niederlande, wo die MRSA-Zahl dadurch von 25 Prozent auf unter 1 Prozent sank. Auch an Kramers Einrichtung wurde durch Screening aller Risikopatienten und Mitarbeiter sowie Gegenmaßnahmen bei positivem Befund die Zahl der MRSA-Patiententage/100 Patiententage von 3 im Jahr 2007 auf 1,5 im Jahr 2010 reduziert.

Außerdem sei eine vorausschauende Antibiotikapolitik von Bedeutung, wobei ein verminderter Einsatz nicht zwingend die Resistenzen reduziert, erklärte Professor Winfried Kern vom Uniklinikum Freiburg. Trotzdem sei die Lösung ein kritischer, zurückhaltender Einsatz von Antibiotika.

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