Sportmedizin

Golfen kann ganz schön ins Kreuz gehen

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

Die Verletzungsgefahr beim Golf-Sport wird gemeinhin als gering angesehen. Eine Fehleinschätzung: Amateure verletzen sich durchschnittlich mehr als 1,4 Mal pro Jahr. Grund genug für einige sportmedizinische Zentren in Deutschland, sich gerade für diese Klientel zertifizieren zu lassen. Innerhalb kurzer Zeit ist ein bundesweites Netzwerk sogenannter "Golf-Clinics" entstanden.

"Während des Abschlags werden Schlägerkopfgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometer pro Stunde erreicht", sagt Martin Hart im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Das kann - unter anderem - ins Kreuz gehen. Hart ist Physiotherapeut an der Asklepios Paulinen Klinik in Wiesbaden, die gerade ihre Zertifizierung als Golf-Clinic von der Professional Golfers Association (PGA) in Deutschland erhalten hat. Sie ist damit eine von derzeit 25 Golf-Clinics in Deutschland. Vor allem Wirbelsäulen-Probleme seien es, die die Golfer zum Arzt gehen ließen, sagt Hart.

Wirbelsäule ist womöglich degenerativ vorgeschädigt

Beim Abschlag werden der Wirbelsäule des Golfers endgradige Verdrehbewegungen zugemutet. Dabei hat die Wirbelsäule eine komplexe Anatomie und ist womöglich degenerativ vorgeschädigt. Denn auch das ist eine bekannte Tatsache: Viele Golfer beginnen erst in der zweiten Lebenshälfte mit dem Sport. Weitere Problemfelder sind muskuläre Defizite und Dysbalancen, etwa im Schulter-Arm-Bereich, oder Fußdeformitäten, die Einfluß auf bestimmte Schlagtechniken haben.

"Die Prävention ist deshalb einer unserer Schwerpunkte", so Hart. Vorbeugen heißt zunächst, den Status quo des Sportlers zu ermitteln. Zur Leistungsdiagnostik wird moderne Technik genutzt: Video-gestützte Lauf- und Schwunganalysen, dynamische und isometrische Kraftmessungen der maßgeblichen Muskelketten, Fußfehlformanalysen, Ausdauertests und anderes mehr. Die Werte werden mit alters-, größen- und geschlechtsspezifischen Durchschnittswerten bei Gesunden verglichen. Auf der Grundlage dieser Tests soll dann das persönliche Training optimiert werden.

Mancher muß erst lernen, wie wichtig das Aufwärmen und ein Stretching vor dem Golfen ist. "Spieler, die sich nicht warm machen, verletzen sich signifikant häufiger als Spieler, die sich aufwärmen", betont der Physiotherapeut. "Wir bieten ein entsprechendes Ergänzungstraining an." Ziel sei es, eine muskuläre Basisstabilität zu erreichen sowie ein angemessenes Aufwärmprogramm einzuüben.

Ein spezielles Beratungsangebot wird zudem Golfern zuteil, die trotz Gelenkprothese nicht auf ihren geliebten Sport verzichten wollen. Denn um etwa eine Hüftprothese nicht zu gefährden, sollten bestimmte Bewegungen vermieden werden. Für diese Klientel gibt es spezifische Ausrüstungen vom Golfschläger bis zum Schuh.

Golf entwickelt sich zunehmend zum Breitensport

Glaubt man den Betreibern der Golf-Clinic-Therapiezentren, wird die Nachfrage nach golfspezifischen Angeboten steigen. Denn die Zuwachsraten aktiver Sportler liegen nach Angaben der PGA jährlich zwischen sieben und zehn Prozent. Auch wenn die zertifizierten Kliniken mit ihrem "gehobenen Ambiente" werben, soll der elitäre Hauch des Golfsports der Vergangenheit angehören. Golf entwickle sich zunehmend zum Breitensport, sagt Hart. Auch Tennis sei schließlich früher ein elitärer Sport gewesen.

Informationen finden Sie im Internet unter www.golf-clinic-pga.de



STICHWORT

"Golf Clinic"

Zur "Golf Clinic" wird eine Klinik per Zertifizierung durch die Professional Golfers Association Deutschland (PGA). Voraussetzungen sind spezifische Fortbildungskurse, die von (Sport-)Physiotherapeuten und von Ärzten absolviert werden müssen, sowie ein bestimmtes Leistungsspektrum, welches das Haus anbietet. Dazu gehört auch eine umfassende sportmedizinische Technik-Ausstattung. Die Angebote für Prävention, Therapie und Rehabilitation richten sich sowohl an Amateure als auch an Berufsspieler. Eine Liste der zertifizierten Kliniken gibt es unter www.golf-clinic-pga.de/therapiezentren/index.htm

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