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Immunschutz

Grippe-Impfung der Mutter schützt Baby nur zwei Monate

Die Grippe-Impfung in der Schwangerschaft bietet Neugeborenen nur einen begrenzten Schutz: Nach acht Wochen sind kaum noch relevante Antikörpertiter da, auch lassen sich dann wieder mehr Influenzainfekte beobachten.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Von einer Grippe-Impfung in der Schwangerschaft profitiert nicht nur die Mutter.

Von einer Grippe-Impfung in der Schwangerschaft profitiert nicht nur die Mutter.

© Mathias Ernert, Arztpraxis Dr. Peter Schmidt

JOHANNESBURG. Influenza kann für Neugeborene schwere Folgen haben, so ist die Sterblichkeit bei ungeschützten Babys besonders hoch. Die bisher verfügbaren Impfstoffe dürfen jedoch erst ab einem Alter von sechs Monaten verwendet werden. Die ersten Monate müssen Säuglinge folglich mit maternalen Antikörpern und passiven Schutzmaßnahmen überstehen.

Schwangeren wird aus diesem Grund in der Grippesaison eine Influenzaimpfung im dritten Trimester empfohlen. Studien deuten je nach Vakzine auf eine Schutzrate von 50 bis 60 Prozent in den ersten sechs Monaten nach der Geburt. In solchen Studien wurde aber oft nur der gesamte Halbjahreszeitraum betrachtet; wie lange die maternalen Antikörper tatsächlich schützen, ist weitgehend unklar.

Antworten liefert nun eine Studie von Ärzten um Dr. Marta Nunes von der Universität in Johannesburg. Danach sind die Kinder lediglich in den ersten zwei Monaten nach der Geburt vor Influenza geschützt (JAMA Pediatr 2016, online 5. Juli).

Die Forscher um Nunes analysierten Daten einer großen Impfstudie bei rund 2050 Schwangeren in Soweto. Die Frauen im zweiten oder dritten Trimester bekamen vor Beginn der Influenzasaison in den Jahren 2011 und 2012 entweder Placebo oder eine trivalente inaktivierte Vakzine mit der aktuellen, von der WHO empfohlenen Zusammensetzung (H1N1-Schweinegrippe, H3N2 Victoria 2009 sowie Brisbane B 2008).

Neugeborene von 322 der Frauen – allesamt HIV-negativ – nahmen an einer Immunogenitätsuntersuchung teil. Die Hälfte stammte auch hier aus der Impfgruppe. Den Kindern wurde zur Bestimmung von Hämagglutinin-inhibierenden Antikörpern (HAI) in den ersten sieben Tagen sowie nach 8, 16 und 24 Wochen Blut abgenommen. Zusätzlich überwachten die Studienärzte den Gesundheitszustand aller Kinder. Bestand Verdacht auf eine Atemwegsinfektion, wurden nasopharyngeale Aspiratproben entnommen und per PCR auf Influenza untersucht.

Nach 16 Wochen kaum noch protektive HAI-Titer

Kurz nach der Geburt hatten noch die meisten Kinder aus der Impfgruppe einen als protektiv geltenden Hämagglutinin-inhibierenden Antikörper(HAI)-Titer von mindestens 1:40. Bezogen auf das H1N1-Virus waren dies 78 Prozent, auf das H3N2-Virus 57 Prozent und auf das B-Virus 81 Prozent. Bei Kindern aus der Placebogruppe lagen die Werte bei jeweils 34, 17 und 42 Prozent.

In den folgenden Wochen nahmen die HAI-Titer in beiden Gruppen stetig ab. Einen schützenden Titer zeigten in der Impfgruppe nach acht Wochen noch rund 62, 40 und 70 Prozent (25, 8 und 35 Prozent unter Placebo), nach 16 Wochen waren es noch 40, 19 und 40 Prozent sowie jeweils weniger als 10 Prozent unter Placebo. Nach 24 Wochen waren auch in der Impfgruppe bei weniger als 10 Prozent protektive Titer aufspürbar.

Ein Influenzanachweis gelang bei 37 Kindern aus der Placebo- und bei 19 aus der Impfgruppe. In der Placebogruppe waren 14 der Infizierten jünger als acht Wochen, in der Impfgruppe nur 2. Daraus lässt sich eine 86-prozentige Schutzwirkung für Kinder unter acht Wochen errechnen, bei älteren Kindern gibt es dagegen keinen nennenswerten Schutz mehr.

Sowohl aus den Infektionsdaten als auch den HAI-Titern schließen die Forscher um Nunes, dass Neugeborene bei einer maternalen Impfung wahrscheinlich nur in den ersten acht Lebenswochen gut gegen Influenza geschützt sind.

Immunogenere Impfstoffe nötig

Von den 322 Kindern mit regelmäßigen Blutuntersuchungen erkrankten 17 an einer PCR-bestätigten Influenzainfektion, zehn davon aus der Placebo- und sieben aus der Impfgruppe. Bei sieben war der Erreger ein im Impfstoff nicht enthaltener B-Stamm, die übrigen zehn erkrankten an Viren, gegen die der Impfstoff schützen sollte (fünf aus der Impfgruppe).

Zwei aus der Impfgruppe entwickelten Influenza, obwohl bei ihnen kurz zuvor protektive HAI-Titer gemessen worden waren, was die Frage aufwirft, ob ein HAI-Titer von 1:40 bei Kindern wirklich ausreicht. Bei einem der beiden Kinder wurde acht Tage vor der Infektion noch ein Titer von 1:160 gemessen und zwar gegen das H3N2-Virus, das den Infekt verursachte. Die Forscher gehen davon aus, dass ein Titer von 1:110 bei Kindern als Grenzwert aussagekräftiger ist.

Die HAI-Titer hingen stark davon ab, wann die Mütter geimpft wurden. Je weniger Zeit zwischen Impfung und Geburt lag, umso höher waren die HAI-Werte. Daher sollte die Impfung unbedingt erst im dritten und nicht schon im zweiten Trimester erfolgen, schlussfolgern die Ärzte um Nunes. Stillen hatte dagegen keinen nennenswerten Einfluss auf die HAI-Titer.

Um die offenkundige Lücke beim Influenzaschutz zwischen dem zweiten und sechsten Lebensmonat zu schließen, wären wohl deutlich immunogenere Impfstoffe nötig oder aber Vakzinen, die bereits am dem zweiten Monat sicher anwendbar sind. Bis dahin bleibt auch geimpften Müttern nichts anderes übrig, als den Nachwuchs in den ersten Monaten von potenziellen Virenschleudern fernzuhalten und darauf zu achten, dass wenigstens alle Kontaktpersonen im nahen Umfeld gegen Influenza immunisiert sind.

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