NRW

Grippewelle halb so wild

Während die Grippewelle viele Kliniken in Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg in die Bredouille bringt, sieht es im bevölkerungsreichsten Bundesland in NRW wesentlich entspannter aus. Probleme gibt es aber bei der Blutspende.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Flurbett statt Krankenzimmer: Im Klinikum Braunschweig wurde diese Patientin provisorisch neben dem Kaffeeautomaten untergebracht. In Nordrhein-Westfalen ist die Lage in den Kliniken jedoch entspannter.

Flurbett statt Krankenzimmer: Im Klinikum Braunschweig wurde diese Patientin provisorisch neben dem Kaffeeautomaten untergebracht. In Nordrhein-Westfalen ist die Lage in den Kliniken jedoch entspannter.

© Scheibe/Klinikum Braunschweig

KÖLN. In vielen Regionen der Republik melden Kliniken in diesen Tagen angesichts der Grippewelle "Land unter" - nicht jedoch in Nordrhein-Westfalen. Hier ist die Situation wesentlich entspannter.

Zwar registrieren auch die Kliniken im bevölkerungsreichsten Bundesland steigende Patientenzahlen und krankheitsbedingte Ausfälle beim Personal - der ordnungsgemäße Betrieb ist aber offenbar in den Einrichtungen nicht in Frage gestellt.

Nach Angaben des Landeszentrums Gesundheit NRW ist die Erkrankungswelle noch weit von den Dimensionen der Grippesaison 2012/2013 entfernt.

Bis Montag waren bei dem Zentrum knapp 1500 Influenza-Meldungen eingegangen. Zum Vergleich: 2013/2014 waren es zu diesem Zeitpunkt zwar nur 290 gewesen, ein Jahr zuvor aber fast 6300.

"Der Jahreszeit entsprechend"

Die epidemiologischen Zahlen spiegeln sich auch in den Erfahrungen der Kliniken wider. "Wir haben ein der Jahreszeit entsprechend hohes Aufkommen an Patienten", sagt der Sprecher des Klinikums Dortmund Marc Raschke.

In der Kinderklinik sei eine Zusatzstation für akute Erkältungskrankheiten eingerichtet worden. Angesichts eines relativ flexiblen Pflegepools gebe es bislang aber keine Engpässe beim Personal. Das Haus hat mehr als 1400 Betten.

Schwieriger ist die Lage des Hauses bei der Blutspende, berichtet Raschke. Das Klinikum benötige rund 100 Spenden pro Tag, um den eigenen Bedarf und den einiger weiterer Häuser zu decken. "Zurzeit kommen nur fünf bis sechs Spender am Tag."

Die Kliniken der St. Franziskus Stiftung in Münster registrieren zwar eine steigende Zahl von Grippeerkrankungen - sowohl bei den Patienten als auch bei Ärzten und Pflegekräften.

"Die Einsatzfähigkeit ist aber nicht gefährdet", betont Sprecher Volker Tenbohlen. Ähnlich sieht es in anderen NRW-Kliniken aus, etwa der Uniklinik Düsseldorf, dem Alfried-Krupp-Krankenhaus in Essen oder den Städtischen Kliniken in Köln.

Hohe Belastung des Personals

Deutlich angespannter ist die Lage im Städtischen Krankenhaus Heinsberg. Dort sind die Patientenzahlen aufgrund von Atemwegserkrankungen deutlich gestiegen.

"Die Belastung des Personals ist überdurchschnittlich hoch", sagt Geschäftsführer Heinz-Gerd Schröders. Verschärft werde die Situation durch Erkrankungen von Mitarbeitern.

"Bei Ärzten und Pflegekräften ist die Dauer der Grippe in diesem Jahr außergewöhnlich lang." Aus Nachbar-Krankenhäusern höre er Ähnliches, berichtet Schröders.

Wesentlich schlimmer sieht es in Baden-Württemberg und Bayern aus: Fast siebenmal so viele Influenzafälle wie 2014 sind beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit registriert worden. Auch in Niedersachsen ist die Lage wesentlich dramatischer: Hier sind einige Häuser wie das Klinikum Braunschweig so überfüllt, dass Flurbetten aufgestellt werden mussten.

"Flur- und Zusatzbetten sind zwar nur ein vorübergehender Aufenthaltsort, denn Patienten erhalten immer das nächste freie Bett in einem Zimmer, trotzdem ist die Situation schwer erträglich", so eine Mitteilung.

Im Klinikum Lippe in Detmold ist ebenfalls viel los - hier ist vor allem die Notaufnahme überlastet. Es müssen sehr viele Patienten mit Grippe-, aber auch mit Magen-Darm-Erkrankungen versorgt werden, sagt Sprecherin Petra Rosin.

Verschärft wird die Situation durch einen weiteren Effekt: "Viele Patienten kommen direkt in die Klinik-Ambulanz und gehen nicht in die KV-Notfallpraxis."

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