Gynäkologen fordern HPV-Test als Vorsorgeuntersuchung

HANNOVER (grue/ikr). Mindestens jede zweite Frau infiziert sich im Laufe ihres Lebens mit humanen Papillomaviren (HPV). In seltenen Fällen kann sich ein Zervix-Karzinom entwickeln. Gynäkologen plädieren deshalb für die Aufnahme der HPV-Testung in das Programm zur Krebsfrüherkennung. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) lehnt das allerdings ab.

Veröffentlicht:

Auf einer Sitzung Ende Dezember hat der GBA beschlossen, den HPV-Test vorerst nicht in die Richtlinien zur Krebsfrüherkennung aufzunehmen. Die Argumente: Derzeit gebe es keinen Nachweis dafür, dass die Zervix-Karzinom-Inzidenz oder -Mortalität durch einen HPV-Test als primäre Früherkennungsuntersuchung (allein oder in Kombination mit einer zytologischen Untersuchung) gesenkt werden kann. Darüber hinaus blieben weitere Fragen offen.

Insbesondere habe die Frage des Vorgehens bei unauffälliger Zytologie und positivem HPV-Test nicht geklärt werden können. Nach Angaben des GBA sei dies in den der Bewertung zu Grunde gelegten Studien bei bis zu zwölf Prozent der Frauen aufgetreten.

"Wir appellieren nun an das Bundesgesundheitsministerium, den Beschluss nicht umzusetzen", sagte Professor Peter Hillemanns von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bei einer Veranstaltung der Hochschule. Der Direktor der MHH-Frauenklinik hat zusammen mit Professor Karl Ulrich Petry vom Klinikum Wolfsburg und Professor Thomas Iftner vom Universitätsklinikum Tübingen seine Bedenken in einem Brief an die Gesundheitsministerin formuliert.

Die überwiegende Mehrzahl der Experten empfehle heute den HPV-Test für Frauen ab 30 Jahren, heißt es dort. Man könne die Begründung für die ablehnende Haltung des GBA nicht nachvollziehen: So habe der Ausschuss moniert, dass bis zu zwölf Prozent der untersuchten Frauen einen positiven HPV-Test bei unauffälliger Zytologie haben - und bei dieser Konstellation gebe es keine gesicherten Handlungsempfehlungen.

"Uns ist keine Studie bekannt, aus der sich diese hohe Zahl unklarer Befunde ableiten lässt", sagte Hillemanns. Und: "Mit dem HPV-Test können in Kombination mit der Zytologie mehr Krebsvorstufen erkannt werden als mit der Zytologie allein". Eine verbesserte Diagnostik könne zusammen mit einem Impfprogramm die Rate an Zervix-Karzinomen drastisch reduzieren.

Derzeit erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 6500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. "Wir gehen davon aus, dass allein mit der HPV-Vakzinierung der jungen Frauen die Zahl der Neuerkrankungen um bis zu 80 Prozent sinkt", so Hillemanns.

In Hannover startet eine Krebs-Aufklärungskampagne

Derzeit startet - pünktlich zur ersten Europäischen Zervixkrebs-Präventionswoche - im Großraum Hannover ein Pilotprojekt für eine Aufklärungskampagne zum Gebärmutterhalskrebs. Die von dem Unternehmen Digene geförderte Aktion wirbt für die Teilnahme an der Krebsvorsorgeuntersuchung mit dem Hinweis, auch einen HPV-Test vornehmen zu lassen. Die Kosten dafür werden von den Kassen allerdings nicht übernommen, eine Ausnahme macht die Deutsche BKK im Rahmen eines Wolfsburger Pilotprojektes.

Mehr zum Thema

Update der Phase-III-Studie INAVO120

Kinasehemmer verlängert Leben bei PIK3CA-Brusttumoren um ein Drittel

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Metabolomics

Asthma: Künftig Bluttest zur Vorhersage von Exazerbationen?

Ein kleiner Stups

Mit Nudging-Interventionen die Grippe-Impfrate steigern

Lesetipps
Arzt-Patient-Kontakt

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Depression, Angst, Schmerzen

Was zeichnet „schwierige“ Patientinnen und Patienten aus?

Für Flächen- und Handdesinfektion sollten nur Mittel eingesetzt werden, die beim Verbund für angewandte Hygiene e.V. (VAH) gelistet sind.

© www.freund-foto.de / stockadobe.com (mit KI generiert)

Team- und Patientenschutz

Hygieneplan für die Praxis – was zählt!

Frauen mit Hanteln beim Training

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Medizinische Rehabilitation

Wie Ärzte beim beim Reha-Antrag unterstützen können