HIV-Infizierte leben länger - und kränker

HIV-Infizierte leben heute dank Therapie länger als Infizierte zu Pandemie-Beginn. Die Schattenseite: Dadurch gibt es auch mehr HIV-Patienten mit Komorbiditäten wie KHK und Diabetes.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Modell des Aids-Erregers HIV.

Modell des Aids-Erregers HIV.

© Sebastian Schreiter / Springer

ZÜRICH. Die Schweizer HIV-Kohorten-Studie ist ein wichtiges Instrument, wenn es darum geht, die Entwicklung von Morbidität und Altern bei HIV-Infizierten zu beurteilen.

Diese prospektive Beobachtungsstudie wurde bereits 1988 begonnen und erhebt epidemiologische, klinische und labormedizinische Daten von HIV-infizierten Teilnehmern.

Mehr als 16.000 HIV-Infizierte, die mindestens 16 Jahre alt sind, nehmen bereits teil. Jedes Jahr kommen etwa 600 HIV-Infizierte dazu. Größtes Zentrum mit einem Anteil von 38 Prozent aller Studienteilnehmer ist das Universitätsspital Zürich.

Einer aktuellen Auswertung der Schweizer Studiendaten zufolge, der die Informationen von fast 9000 Teilnehmern zugrunde liegt, waren 26,4 Prozent davon zum Zeitpunkt der Datenerhebung zwischen 50 und 64 Jahre alt, 5,3 Prozent waren sogar mindestens 65 Jahre alt (Clin Infect Dis 2011; 33: 1130-1139).

Der Anteil der HIV-Infizierten zwischen 50 und 64 lag 1990 noch unter drei Prozent.

Die Hälfte könnte über 50 Jahre alt werden

In einem Kommentar zur Studie wagt Dr. Michael S. Saag vom US-Zentrum für Aids-Forschung der Universität von Alabama in Birmingham sogar eine Prognose: Sollte sich dieser Trend innerhalb der kommenden Dekade fortsetzen, würden bis zu 50 Prozent der Patienten in ihrer Kohorte älter als 50 Jahre sein (Clin Infect Dis 2011; 33: 1140-1142).

Kein Vergleich zum Beginn der Pandemie vor 30 Jahren, als es mit AZT nur ein Medikament gab und die HIV-Infizierten rasch an Aids erkrankten und nur noch wenige Monate lebten.

Im Median sind die Patienten der Schweizer Kohortenstudie nun schon seit 15,4 Jahren mit dem Aids-Erreger infiziert. Die längste Infektionsdauer liegt bei 22 Jahren.

Komorbiditäten bei jedem Neunten

Fast 1000 Studienteilnehmer hatten Krankheitsereignisse, die nicht-Aids-definierend sind. Zu Aids-definierenden Erkrankungen zählen etwa das Kaposi-Sarkom oder die Pneumocystis-carinii-Pneumonie (seit 2002 als Pneumocystis-jiroveci-Pneumonie bezeichnet).

Mehr als 200 Teilnehmer hatten zum Beispiel zwischen 2008 und 2010 eine bakterielle Pneumonie, 70 Teilnehmer wurden Diabetiker, 115 hatten nicht-Aids-definierende Malignome und 55 einen Herzinfarkt.

Nur knapp 200 Patienten hatten Erkrankungen, die direkt im Zusammenhang mit der HIV-Infektion stehen, und zwar Symptome der Kategorie B in der CDC-Klassifikation, also etwa eine oropharyngeale Kandidose, eine orale Haarzellleukoplakie oder eine periphere Neuropathie.

Diesen geringeren Anteil an HIV-assoziierten Erkrankungen schreibt Saag der erfolgreichen antiretroviralen Therapie zu, die inzwischen nur noch aus meist drei Präparaten unterschiedlicher Substanzklassen wie Protease-Hemmer und Nukleosid-Analoga besteht.

Diese Entwicklung sei Anlass, die HIV-Infizierten verstärkt von Allgemeinmedizinern betreuen zu lassen, so Saag.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht

Lesetipps
Eine Blutdruckmessung

© CasanoWa Stutio / stock.adobe.com

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Ein Anwalt hält eine Gesetzessammlung in der Hand.

© Kzenon / stock.adobe.com

Prozesse werden teurer

Tipps: So können Praxen die Risiken für einen GOÄ-Streit minimieren