Direkt zum Inhaltsbereich

HPV-Impfvereinbarung in Bayern verunsichert Niedergelassene

MÜNCHEN (all). Eine Abrechnungsvereinbarung der KV Bayerns (KVB) mit den Ersatzkassen zu HPV-Impfungen stößt bei den Ärzten des Landes auf Unverständnis. Mittlerweile hat die KVB eingelenkt.

Veröffentlicht:

Nach der Vereinbarung konnten die HPV-Impfungen zunächst nur noch über die KVB abgerechnet werden - zu einer Pauschale von 155,67 Euro, die sowohl das Impfhonorar von 7,67 Euro als auch die Kosten für den Impfstoff in Höhe von 148 Euro umfasst. Kern des Anstoßes: Eigentlich kostet der Impfstoff laut Roter Liste 159,06 Euro.

Um auf den günstigeren Preis zu kommen, sollen die Ärzte eine Zehner-Packung Impfstoff auf eigene Rechnung kaufen, sodass die Einzeldosis nur 144 Euro kostet. "Ein Bezug über Sprechstundenbedarf oder Einzelverordnung ist nicht möglich", heißt es in einem Brief der KVB an alle Kinder-, Allgemeinärzte, praktischen Ärzte, hausärztlich tätigen Internisten und Gynäkologen.

Das Problem: Ärzte dürfen mit der Abgabe von Impfstoffen keinen Gewinn erzielen. Sonst droht ihnen die Mehrwertsteuerpflicht - nicht nur für die Impfstoffe, sondern für die ganze Praxis, die damit steuerlich infiziert werden würde. "Ich habe keine Lust, mich diesem finanziellen Risiko auszusetzen", sagt der Allgemeinarzt Dr. Jürgen Arnhardt aus Höchstädt in der Nähe von Dillingen an der Donau. Zudem sieht er es nicht ein, den Impfstoff vorzufinanzieren. Arnhardt: "Wenn der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass sich zehn Ersatzkassen-Patientinnen zur Impfung anmelden würden, müsste ich 4500 Euro für den Impfstoff vorfinanzieren."

Aufgrund der Proteste von Niedergelassenen hat die KVB eingelenkt. Nun können Ärzte nach Angaben von KV-Vize Dr. Gabriel Schmidt HPV-Impfungen für Ersatzkassen-Patientinnen wieder auf dem gewohnten Weg abrechnen. "Ärzte könnten Einkaufsgemeinschaften bilden und sich die Zehner-Packungen teilen", regt Schmidt an. Das Problem der drohenden Mehrwertsteuerpflicht sieht er nicht. Auch andere Arztgruppen -zum Beispiel ambulante Operateure bei der Abrechnung des Kontrastmittels — seien in einer ähnlichen Lage und auch dort würde der Fiskus nicht zuschlagen.

Mehr zum Thema

Besonderes Augenmerk auf HBV

HIV und Impfungen: Was beachten, was testen?

Sie fragen – Experten antworten

Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?

Das könnte Sie auch interessieren
Woman with diabetes standing on top of the hill and looking at camera

© Getty Images

Impflücken bei Chronikern

Grippeimpfung bei Diabetes: Risiko für Folgen senken

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Die vergessene Reiseimpfung

© Milo Zanecchia | Getty Images

Impfen in der Praxis

Die vergessene Reiseimpfung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

© SrdjanPav | Getty Images

Impfkommunikation

„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kleine konkrete Schritte

So lassen sich Patienten zu mehr Therapieadhärenz motivieren

Lesetipps
KI erleichtert Hackern Angriffe ernorm. Praxen sollten zumindest einmal überlegen, ob sie sich gegen solche Störungen absichern wollen, etwa mit Blick auf den Betriebsstillstand.

© Klaus Ohlenschläger / picture alliance

Für wenige Hundert Euro im Jahr

Warum Ärzte über eine Cyberversicherung nachdenken sollten

An Asian senior man’s hand relax on the bed side while sleeping

© Reagan Liew Zhi Sin / Getty Images / iStock

Pflichten, Abrechnung und Angehörigenwünsche

Worauf es bei der ärztlichen Leichenschau ankommt