Haben dicke Frauen vermehrt Leukämie?

Veröffentlicht:

OXFORD (ars). Übergewicht bei Frauen ist nicht nur mit einem erhöhten Risiko für Endometrium- oder Ösophaguskarzinom assoziiert. Offenbar geht es auch mit einem erhöhten Leukämie-Risiko einher. Dieses Ergebnis einer großen britischen Studie gibt einen weiteren Anstoß abzunehmen - nicht bloß der Schönheit wegen, sondern auch zur Krebsprävention.

Die Studie stammt von Forscherinnen um Professor Gillian Reeves aus Oxford in der Million Women Study (BMJ 335, 2007, 1134). Von den 1,2 Millionen Teilnehmerinnen erkrankten 45 037 im Untersuchungszeitraum an Krebs, 17 203 starben daran. Für alle untersuchten 17 Krebsarten zusammengenommen stiegen Inzidenz und -Sterberate mit zunehmendem BMI. Bei Frauen mit einem BMI über 25 war das Erkrankungsrisiko insgesamt um zwölf Prozent höher als bei normalgewichtigen (BMI 22,5 bis 24,5). Die Sterberate war insgesamt um sechs Prozent erhöht.

Aufgeschlüsselt nach den einzelnen Krebsarten ergab sich bei Übergewichtigen ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs nach der Menopause, Endometrium-, Nieren- und Adenokarzinomen des Ösophagus. Dafür liegen bereits Hinweise aus anderen Studien vor. Aber auch für hämatopoetische Tumoren wie Leukämie oder Non-Hodgkin-Lymphom fand sich in der Million Women Study eine Korrelation. Darüber war bisher nach Angaben der Autorinnen nichts bekannt. Bei Krebsarten wie Zervixkarzinomen und Hirntumoren ergab sich keine Beziehung zwischen BMI und Krebsrisiko. Bei Plattenepithelkarzinomen der Speiseröhre oder Lungenkrebs nahm das Risiko mit steigendem Körpergewicht sogar ab.

Als Schalter im positiven wie im negativen Sinn erwies sich die Menopause. So stieg das Risiko für kolorektale Tumoren und maligne Melanome nur vor der Menopause mit dem BMI, danach jedoch nicht. Das Brustkrebsrisiko wiederum nahm bei Frauen vor der Menopause mit steigendem BMI sogar ab, nach den Wechseljahren aber zu.

Nach Hochrechnungen der Wissenschaftlerinnen gehen bei Frauen in der Postmenopause fünf Prozent der Krebserkrankungen (6000 jährlich) auf Übergewicht oder Adipositas zurück. Beim Endometrium- und Ösophaguskarzinom ist es die Hälfte.

Die Studie in Kürze

Frage: Beziehung zwischen BMI und Krebs-Inzidenz/-Sterberate?

Methode: 1,2 Millionen Frauen im Durchschnittsalter von 56 füllten Fragebögen zu sozialen und persönlichen Daten aus. Die Zahlen zu Krebs und Todesfällen stammen aus Zentralregistern. Das Follow-up betrug fünf bis sieben Jahre.

Ergebnis: Bei BMI über 25 ist das Krebsrisiko um zwölf Prozent höher als bei BMI kleiner 25. (ars)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Krebsgefahr durch Übergewicht?

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Hohes Residualvolumen

Agonisten von GLP-1 und GIP können Gastroskopie verhindern

Kolumne aus Berlin

Die Glaskuppel zur Prävention: Mehr als Kochkurs und Yogamatte

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Acalabrutinib: TTNT-Update der AMPLIFY-Studie und RWE-Daten

© jarun011 / stock.adobe.com

Chronische lymphatische Leukämie

Acalabrutinib: TTNT-Update der AMPLIFY-Studie und RWE-Daten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Innovative Therapieansätze

Mit Fischhaut gegen den diabetischen Fuß

Verdacht auf Myokardinfarkt

Wenn erhöhte Troponine täuschen und es kein Herzinfarkt ist

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: Was bringen Digitoxin und Vericiguat?

Lesetipps
Eine Reihe von Sportutensilien (Fußball, Tennisschläger, Springsseil, etc.) in einer Sporttasche, die auf dem Boden steht.

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

US-Analyse

Was Bewegung bei diesen sieben Krebsarten bringt

Bei der Übung „Drei Minuten Atemraum“ geht es etwa darum, die aktuelle Tätigkeit für drei Minuten zu unterbrechen und bewusst in sich hineinzuhören. (Symbolbild)

© wang / stock.adobe.com / Generated with AI

Mehr Wohlbefinden im Praxisalltag

Praxisstress? Diese Achtsamkeitsübungen verschaffen Ihnen schnell wieder Luft