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IM GESPRÄCH

Hämatologische Grenzwerte im Sport sind nur begrenzt aussagefähig

Von Pete Smith Veröffentlicht:

Der Radsport wird seit Wochen durch einen Dopingskandal erschüttert. Dutzende von Fahrern sollen in einem spanischen Labor ihr Blut haben anreichern lassen (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Blutdoping hat im Radsport und in anderen Ausdauerdisziplinen wie Skilanglauf Tradition. Das betrifft autologe und homologe Bluttransfusionen genauso wie die Manipulation mit Erythropoetin (EPO).

Daher haben die betroffenen Verbände Grenzwerte für den Hämatokrit (Hkt) und die Hämoglobinkonzentration (Hb) festgelegt, die jedoch von Experten zunehmend in Frage gestellt werden. Einer dieser Experten ist Professor Walter Schmidt, Leiter der Abteilung Sportmedizin/Sportphysiologie am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bayreuth, der kürzlich mit Kollegen die hämatologischen Grenzwerte im Ausdauersport unter die Lupe genommen hat ("Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin" 2, 2006, 54).

Der internationale Radsportverband UCI hat bei Männern einen Hämatokrit von 50 Prozent als Obergrenze festgesetzt (Frauen: 47 Prozent). Der Welt-Skiverband FIS dagegen zieht die Hämoglobinkonzentration zurate und sieht die Obergrenze bei 17 g/dl (Frauen: 16 g/dl). Die Internationale Skater Union schließlich setzt 18 g/dl (Männer) und 16,5 g/dl (Frauen) als Obergrenzen fest. Offiziell dienen die Grenzen dem Schutz der Sportler. Ein Überschreiten der Werte führt nicht zu Doping-, sondern zu Schutzsperren der Athleten. Die Grenzen sollen jedoch auch die Manipulationen einschränken.

Allerdings, so führt Schmidt aus, können die Grenzwerte von mehreren Faktoren maßgeblich beeinflußt werden. Schwankungen der Werte sind auf Veränderungen des Plasmavolumens zurückzuführen. So sinken die Werte in der Nacht um fünf bis sechs Prozent, ebenso wenn man sich tagsüber hinlegt.

Trinkt man einen Liter isotone Kochsalzlösung, führt dies dazu, daß die Blutwerte nach einer Stunde um acht Prozent gesunken sind. Zudem sinken die Werte bei längerfristigen Trainingsperioden. Bei akuter Belastung, Trainingspausen und in der Höhe dagegen steigen die Werte.

Veränderungen in Hb oder Hkt, folgern Schmidt und seine Kollegen, seien keine sicheren Hinweise auf ein Dopingvergehen. Als Mindestforderung sprechen sie sich daher für eine Standardisierung der Blutentnahme (Körperstellung, Tageszeit, Belastung und Höhe) aus, schlagen aber vor: "In Anbetracht der zukünftigen Manipulationsmöglichkeiten, die eine spezifische Detektierung in vielen Fällen nicht erlauben werden, wäre aber ein einfach durchzuführendes zuverlässiges Sceeningverfahren wünschenswert, welches die manipulierte Zielgröße direkt, das heißt die totale Hämoglobinmenge (tHb), bestimmt." So könnte die tHb während der Karriere eines Athleten mehrfach pro Jahr bestimmt und in einem Blutpaß festgehalten werden.

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