Hämoglobin-Spray fördert Wundheilung

Mit einem Hämoglobin-Spray werden mehr als 90 Prozent der chronischen Wunden komplett geheilt. Das hat eine Studie bei Patienten mit Unterschenkelwunden ergeben.

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BERLIN (eb). Bei fast allen chronischen Wunden liegt eine Hypoxie vor. Verbessert man jedoch den Sauerstoffgehalt in der Wunde mit Hilfe einer Hämoglobin-Lösung, kommt es zu einer deutlich verbesserten Wundheilung.

Mit einem hämoglobinhaltigen Wundspray kann die Heilung von chronischen Wunden gefördert werden, wie eine aktuelle Studie ergeben hat.

Professor Peter Arenberger von der Dermatologischen Klinik an der Karls-Universität in Prag und seine Kollegen haben ärztliche Einzelanwendungen und klinische Beobachtungen in Deutschland, Tschechien und Mexiko ausgewertet (GMS Krankenhaushyg Interdiszip 2011; 6: Doc05).

Dabei kamen die Forscher zu folgendem Ergebnis: Erste Zeichen der Stimulation der Wundheilung können bereits nach wenigen Tagen einer Anwendung des Hämoglobinsprays sichtbar werden.

Eine der für Deutschland zulassungsrelevanten Studien wurde bei insgesamt 42 erwachsenen Patienten mit chronischen Unterschenkelwunden vorgenommen. Die Wundfläche betrug mehr als 5 cm2, und die Wunde reichte nicht tiefer als bis in die Subcutis Grad 2 oder 3.

Erfolgsquote von 93 Prozent

Durch Behandlung mit einem Hämoglobin-Spray konnte bei 39 der 42 Patienten eine komplette Abheilung der behandelten Wunden erreicht werden. Von den drei Patienten, deren Wunden auf diese Weise nicht geheilt wurden, wiesen zwei eine Vaskulitis und einer eine Osteomyelitis auf.

Somit betrug die Erfolgsquote aller Patienten nach Ende der Behandlung 93 Prozent.

"Auch in weiteren Therapiebeobachtungen konnten über 90 Prozent aller Wunden mit Hämoglobin-Spray zur Abheilung gebracht werden", schreiben die Autoren.

Ebenso hätten individuelle Heilversuche in Witten und Prag die Ergebnisse bestätigt. Unerwünschte Wirkungen seien nicht beobachtet worden.

Das Spray basiert auf dem natürlichen Hämoglobin, das als wasserlösliches Molekül auch außerhalb der Erythrozyten Sauerstoff transportieren kann.

Diese Sauerstoff-Transporter werden in einer wässrigen Lösung auf den Wundgrund aufgebracht. Damit kommt es zu einer verbesserten Diffusion von Sauerstoff.

Das Behandlungskonzept wurde an der Universität Witten/Herdecke entwickelt. Das Hämoglobin-Spray soll demnächst in Deutschland zugelassen werden.

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