Häufig Mischformen bei Harninkontinenz

Auch bei Frauen bedeutet Harninkontinenz nicht immer Stressinkontinenz. Die neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) enthält einen Katalog von Fragen, die bei der korrekten Diagnose helfen. Professor Cornel Sieber aus Nürnberg wird sie beim Praxis Update vorstellen.

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Inkontinenz gehört zu den vier klassischen "geriatrischen I". Professor Cornel Sieber, Klinikum Nürnberg Nord

Inkontinenz gehört zu den vier klassischen "geriatrischen I". Professor Cornel Sieber, Klinikum Nürnberg Nord

© Foto: privat

Ärzte Zeitung: Herr Professor Sieber, wann sollten Hausärzte ihre Patienten auf Kontinenz ansprechen?

Professor Cornel Sieber: Inkontinenz gehört neben Instabilität, Immobilität und intellektuellem Abbau zu den vier klassischen "geriatrischen I". Es empfiehlt sich, Männer ab 70 Jahren und Frauen ab dem Klimakterium darauf anzusprechen. Männer werden kaum von selbst darüber reden.

Ärzte Zeitung: Sind auch jüngere Menschen gefährdet, eine Harninkontinenz zu bekommen?

Sieber: Ja, man sollte bei Patienten jeden Alters in besonderen Situationen nach Inkontinenzproblemen fragen, etwa bei neurologischen Erkrankungen und nach schweren Geburten. Dennoch betrifft das Problem der Harn- wie auch der Stuhlinkontinenz vor allem betagte Menschen.

Ärzte Zeitung: Inkontinenz ist aber noch immer ein Tabuthema …

Sieber: Ja, aber Kontinenz ist den meisten Menschen sehr wichtig. Wenn sie ihrem Hausarzt nicht vertrauen, wem dann? Natürlich muss man das Thema taktvoll ansprechen. Ein guter Einstieg ist es, nach Aktivitäten zu fragen, die in letzter Zeit von den Patienten aufgegeben wurden - vielleicht, weil sie dabei viel unterwegs wären und nicht immer eine Toilette finden könnten.

Ärzte Zeitung: Wie fragt man dann weiter?

Sieber: Die Leitlinie bietet standardisierte Fragenkataloge für das weitere Vorgehen an, auf diese sollte man zurückgreifen.

Ärzte Zeitung: Ist bei Frauen nicht fast immer der Beckenboden das Problem …?

Sieber: Auch bei Frauen ist nicht jede Harninkontinenz eine Belastungs- oder Stressinkontinenz aufgrund Beckenbodenschwäche. Häufig liegen auch Drang- oder Überlaufinkontinenz oder Mischformen vor. Dieses Verhältnis kann sich sogar noch weiter verschieben, weil Frauen immer weniger Kinder (vaginal) gebären.

Ärzte Zeitung: Wie kann man Patienten mit Inkontinenz-Mischformen behandeln?

Sieber: Nach genauer Diagnose wird die Hauptursache der Harninkonti-nenz ermittelt und behandelt, danach die sekundäre Ursache, falls es Komorbiditäten und Komedikationen erlauben.

Ärzte Zeitung: Was, wenn man keine vollständige Kontinenz erreicht?

Sieber: Hier ist interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Pflegefachkräften, Urologen, Gynäkologen und mit Angehörigen weiterer Fachrichtungen gefragt. Besonders problemlos funktioniert diese in den zertifizierten (In)Kontinenzzentren, wie eine Studie gezeigt hat. Bundesweit gibt es mehrere Dutzend.

Das Gespräch führte Simone Reisdorf.

Praxis Update: 16 CME-Punkte

Das Praxis Update findet dieses Jahr in Berlin, Wiesbaden und Düsseldorf statt. Jeder Teilnehmer kann sich an zwei Tagen einen Überblick über die neuen Entwicklungen in der gesamten Allgemeinmedizin verschaffen, etwa in Kardiologie, Rheumatologie, Diabetes, Geriatrie oder Dermatologie. Auf vielfachen Wunsch wird dieses Jahr die Pädiatrie mit Schwerpunkt Impfung aufgenommen. Neu ist auch Nephrologie. Das Praxis Update ist mit 16 CME-Punkten zertifiziert.

Die Termine:

  • 24./25. April in Berlin
  • 15./16. Mai in Wiesbaden
  • 15./16. Mai in Düsseldorf

www.praxis-update.com

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