Trotz Impfung

Hartnäckiger Husten kann Pertussis sein

Wenn Schulkinder wochenlang husten, handelt es sich gar nicht selten um eine Pertussis-Infektion - selbst wenn sie dagegen geimpft sind. An Ärzte wird daher appelliert, auf die altersgemäßen Auffrisch-Impfungen zu achten.

Veröffentlicht:
Hartnäckiger Husten: Das Risiko für Pertussis ist bei Jugendlichen umso höher, je länger die letzte Keuchhustenimpfung zurückliegt.

Hartnäckiger Husten: Das Risiko für Pertussis ist bei Jugendlichen umso höher, je länger die letzte Keuchhustenimpfung zurückliegt.

© Jani Bryson / iStockphoto

OXFORD. Das Problem ist bekannt und das Robert Koch-Institut weist in den Impfempfehlungen zu Pertussis explizit darauf hin: "Wegen der begrenzten Dauer der Immunität sowohl nach natürlicher Erkrankung als auch nach vollständiger Impfung können sich immunisierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene wieder mit Keuchhusten neu infizieren."

Dass es sich bei den Impfdurchbrüchen keineswegs um Einzelfälle handelt, macht nun eine Studie aus Großbritannien deutlich. Selbst bei Schulkindern mit dem empfohlenen Impfschutz stellte sich in der Untersuchung fast jeder fünfte Dauerhusten als ein Keuchhusten heraus (BMJ 2014; 348: g3668).

An der prospektiven Studie hatten Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 15 Jahren teilgenommen, die ihren Hausarzt wegen eines zwei- bis achtwöchigen Hustens aufgesucht hatten. Alle waren anschließend auf Antikörper gegen Bordetella pertussis getestet worden.

Bei 56 von insgesamt 279 Kindern (20 Prozent) war der Nachweis positiv gewesen. Unter ihnen waren auch 39 von 215 vollständig geimpften Kindern (18 Prozent).

Auch sie waren mehrheitlich durch den Husten besonders stark eingeschränkt. Messungen bei vier dieser Kinder ergaben eine Hustenfrequenz von mehr als 400 pro 24 Stunden.

Lange zurückliegende Impfungen

Eine vollständige Impfung umfasst in Großbritannien neben der Grundimmunisierung eine Auffrischimpfung im Vorschulalter. Ein weiterer Booster in der Adoleszenz ist, anders als in Deutschland, bislang nicht vorgesehen.

"Die Pertussis-Prävalenz in der aktuellen Kohorte ist nur etwa halb so hoch wie in einer früheren Kohorte vor Einführung der Vorschul-Boosterimpfung", berichten die Studienautoren um Kay Wang von der University of Oxford.

Nach wie vor sei Keuchhusten bei Schulkindern mit persistierendem Husten aber "weit verbreitet". Für das Erkrankungsrisiko machte es allerdings einen Unterschied, wie lange die Vorschulimpfung schon zurücklag.

Bei Kindern, bei denen seitdem mehr als sieben Jahre vergangen waren, gingen 40 Prozent der langwierigen Hustenerkrankungen auf Bordetella pertussis zurück; bei Kindern mit kürzer zurückliegendem Impftermin betrug der Anteil nur 12 Prozent. (BS)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Stich fürs Impfen

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nach der REDUCE-AMI-Studie

Bye-bye für Betablocker nach Herzinfarkt?

Therapie gegen Lieferausfälle?

Gesundheitsökonom Greiner: „Auf Rabattverträge zu verzichten, wäre grundverkehrt“

Lesetipps
Alexander Baasner und Dr. Stefan Spieren (v.l.) haben die Idee der Digitalen Hausärztlichen Versorgungsassistenten (DIHVA) entwickelt.

© Digitales Facharzt- & Gesundheitszentrum

Neues Berufsbild

Bürger als Assistenten: Hausarzt entwickelt Idee der DIHVA