Bakterienabwehr im Darm

Hauptakteure entdeckt

Veröffentlicht:

HANNOVER. Dendritische Zellen und Epithelzellen sind die Hauptakteure bei der Bakterienabwehr im Darm, teilt das TWINCORE – Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung mit. Um diese Hauptakteure zu finden, nutzen die Wissenschaftler vom TWINCORE einen molekularen Adapter: MyD88. Dieses Adaptermolekül transportiert die Information über den Bakterienangriff von der Außenseite der Immunzellen ins Innere. Als direkte Folge schütten die Immunzellen Botenstoffe aus, die wiederum andere Immunzellen aktivieren und damit die Abwehrlawine starten. Ist der Adapter MyD88 defekt, gelangt die Information vom Bakterienangriff nicht mehr in die Zelle und damit funktioniert die Immunabwehr nicht mehr. "Wir haben eine Möglichkeit entwickelt, diese Adapter an- und auszuschalten und haben zunächst MyD88 in allen Zellen abgeschaltet", wird Panagiota Mamareli, Wissenschaftlerin am Institut für Infektionsimmunologie, in der Mitteilung zitiert. Damit war das Immunsystem bei einem bakteriellen Angriff über den Darm nicht mehr handlungsfähig: Die Bakterien lösen keine Immunreaktion aus und gewinnen.

Im nächsten Schritt haben die Forscher MyD88 in einzelnen Zelltypen angeschaltet, um den Zelltyp zu finden, der dem Bakterienangriff am effizientesten begegnet. Das Ergebnis: Dendritische Zellen nehmen die Bakterien am stärksten wahr und geben das Signal auch an andere Zellen schnell und effektiv weiter, haben Forscher des TWINCORE herausgefunden (PLoS Pathog 2017; online 16. Mai). Sind die Zellen alarmiert, aktivieren sie alle anderen Immunzellen, um das Bakterium auszulöschen. Und obwohl Darmepithelzellen keine Immunzellen sind, sind auch sie aktiv an der Abwehr beteiligt, heißt es in der Mitteilung. Sie bilden antimikrobielle Peptide und verdichten ihren Zellverbund, sodass sich eine Zell-Barriere schließt und die Bakterien die Darmwand nicht mehr durchdringen können. "Wir werden uns mit diesen Ergebnissen nun schrittweise an das ‚System Mensch‘ heranarbeiten, um langfristig Wege zu entwickeln, mit denen wir unser Immunsystem aktiv bei der Abwehr bakterieller Erreger unterstützen können", wird PD Dr. Matthias Lochner, Leiter der Arbeitsgruppe Mukosale Infektionsimmunologie am Institut für Infektionsimmunologie, in der Mitteilung zitiert.(eb)

Mehr zum Thema

Stoffwechselstörung als Risikofaktor

Mehr Klinikeinweisungen wegen Herpes Zoster bei Diabetes

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag"-Podcast

Wie sagt man seinem Kind, dass man Krebs hat, Dr. Wagner?

Lesetipps
Es gibt tierexperimentelle Studien, wonach Mikroplastik entzündungsverstärkend wirkt, wenn durch ein zusätzliches Agens die Tight junctions zwischen Darmzellen zerstört sind. Wenn also zu einer hohen Mikroplastik-Konzentration zusätzlich pathogene Faktoren hinzukommen, könnte dies entzündungsfördernd wirken, etwa bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

© Rochu_2008 / stock.adobe.com

Forschung

Beeinflusst Mikroplastik chronische Erkrankungen?

Charlotte Kleen

© Babett Ehrt/ Lichtbildwerkstatt

Porträt

Wie Charlotte Kleen Medizin in ihrer ganzen Breite kennenlernt

Mädchen geht chemischen Experimenten in einem Klassenzimmer nach, die Haare stehen ihr zu Berge.

© Andrey Kiselev / stock.adobe.com

Inkretinmimetika

GLP-1: Wie aus dem kleinen Hormon ein Rockstar wird