Schizophrenie

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind häufig

Schizophrenie-Patienten weisen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Sterberisiko auf - meist sind kardiovaskuläre Krankheiten oder Tumoren die Ursache. Die wenigsten werden dagegen behandelt.

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 10.11.2014, 05:03 Uhr
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind häufig

Bei Schizophrenie-Patienten gilt es auch, das kardiometabolische Risiko abzuschätzen.

© lassedesignen / fotolia.com

GLEN OAKS. Patienten mit Erkrankungen aus dem Formenkreis der Schizophrenie weisen eine zwei- bis dreifach höhere Mortalität auf als Personen ohne eine solche Diagnose. Verursacht wird dies großenteils durch kardiovaskuläre Krankheiten und bösartige Tumoren, die mit Adipositas zusammenhängen.

Die Gründe dafür sind in der Erkrankung selbst, aber auch in Faktoren wie Armut, ungesundem Lebensstil und mangelhafter medizinischer Betreuung zu suchen, die mit der Schizophrenie in Verbindung stehen. Auch die medikamentöse Therapie kann sich negativ auf metabolische Parameter auswirken.

Wissenschaftler um Christoph Correll aus Glen Oaks haben nun mit einer Gruppe von rund 400 jungen Patienten (15-40 Jahre), die eine erste Schizophrenie-Episode durchmachten, untersucht, wie es um deren kardiometabolische Gesundheit bestellt ist (JAMA Psychiatry 2014; ePub October 08, 2014).

Die Patienten wurden von 34 kommunalen, quer über die USA verteilten psychiatrischen Einrichtungen betreut.

Adipositas und Hypertonie häufig

48 Prozent der Patienten waren übergewichtig, 51 Prozent rauchten, 40 Prozent hatten eine Prähypertonie und 10 Prozent einen manifesten Bluthochdruck, 13,2 Prozent ein metabolisches Syndrom. 4 Prozent waren Prädiabetiker, 3 Prozent Diabetiker. Die Dauer der psychiatrischen Erkrankung korrelierte mit höherem Body-Mass-Index, mehr Fettmasse, höherem Fettanteil und größerem Taillenumfang.

Die Dauer der Behandlung mit Antipsychotika war signifikant mit höheren Spiegeln an Non-HDL-Cholesterin, Triglyzeriden, einem erhöhten Triglyzerid/HDL-Cholesterin-Quotienten, niedrigeren HDL-Spiegeln und niedrigerem systolischem Blutdruck assoziiert.

Speziell Olanzapin war mit hohen Triglyzerid- und Insulinspiegeln und vermehrter Insulinresistenz verbunden, Quetiapin hingegen mit einem erhöhten Verhältnis von Triglyzeriden zu HDL - einem Marker für Insulinresistenz.

Zu den Effekten der Medikation ist zu bemerken, dass die Patienten im Mittel noch nicht einmal sieben Wochen lang medikamentös behandelt worden waren.

Die Daten sind allerdings vor dem Hintergrund der US-Durchschnittswerte zu sehen. Übergewicht und Adipositas der Schizophrenie-Patienten etwa wichen nicht vom Landesüblichen ab. Der Raucheranteil aber lag deutlich höher, nämlich um 20 Prozentpunkte bei den Männern und um 12 Prozentpunkte bei den Frauen.

Dyslipidämien waren bei den Patienten so häufig wie bei 15 bis 20 Jahre älteren Vergleichspersonen. Das metabolische Syndrom kam um 89 Prozent häufiger vor. Ähnliches gilt für die Prävalenz der Prähypertonie.

Selten begleitende Therapie

Eine antihypertensive Therapie bekamen nur rund 4 Prozent der Patienten. Und obwohl knapp 57 Prozent der Studienteilnehmer mindestens einen abnormen Lipidwert aufwiesen, wurden nur 0,5 Prozent mit Lipidsenkern behandelt. Drei von 100 waren Diabetiker, Antidiabetika erhielten 0,8 Prozent.

"Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, die kardiometabolische Gefahrenlage für alle Patienten vor und während der antipsychotischen Therapie abzuschätzen", schreiben Correll und Kollegen. Es seien Medikamente mit niedrigem Risiko zu wählen und Nebenwirkungen entsprechend zu behandeln.

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