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Herzkranke sollten vor dem Anpfiff ans Nitrospray denken!

HAMBURG (stü). Mehr als jeder vierte Patient mit stabiler KHK hat Angina-pectoris-Anfälle - trotz scheinbar optimaler medikamen- töser Einstellung oder optimaler perkutaner Koronarintervention (PCI). Bei der Anfallskupierung, in der Rehabilitation und Prävention raten Leitlinien zu schnell wirksamem Nitroglyzerin.

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Ein aufregendes Fußballspiel birgt für Herzpatienten schon in den ersten Minuten eine große Gefahr für Infarkte.

Ein aufregendes Fußballspiel birgt für Herzpatienten schon in den ersten Minuten eine große Gefahr für Infarkte.

© Foto: dpa

Fußballfans mit KHK könnten gerade bei der Europameisterschaft von präventiv verwendetem Nitrospray profitieren.

"Im Zeitalter der Revaskularisation haben viele Ärzte gehofft, dass Angina-pectoris-Anfälle kaum noch bei Patienten mit stabiler KHK auftreten", hat der Hausarzt und Rettungsmediziner Klaus-Gerrit Gerdts aus Cuxhaven berichtet. Die Untersuchung Courage* hätte ihn und seine Kollegen eines Besseren belehrt. In dieser Studie wurde der Krankheitsverlauf von 2300 KHK-Patienten bis zu sieben Jahre lang begleitet. Alle Teilnehmer erhielten eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie.

Bei der Hälfte der Patienten wurde zusätzlich eine perkutane Koronarintervention (PCI) gemacht. Beim primären Zielkriterium - Rate an Todesfällen und Herzinfarkten - gab es nach median 4,6 Jahren keinen Unterschied in beiden Gruppen. Auch nach fünf Jahren litt mehr als jeder vierte Patient unter Angina-pectoris-Anfällen: 26 Prozent der zusätzlich mit PCI-behandelten und 28 Prozent der rein medikamentös eingestellten Patienten. "Betroffene sollten deshalb über ein schnell wirksames Nitrat zur Kupierung akuter Anfälle verfügen", zitierte Gerdts die nationalen Versorgungsleitlinien zu KHK. Denn Nitrate senken durch Reduktion von Vor- und Nachlast den myokardialen Sauerstoffverbrauch.

2006 gab es bei WM-Spielen der deutschen Elf viele Herzinfarkte.

Am besten sei es, akute Anfälle zu verhindern. Die prophylaktische Anwendung ist bereits in den europäischen und amerikanischen Leitlinien verankert. "Aber leider ist vielen KHK-Patienten nicht bekannt, dass sie ihr Nitrospray vor Belastungen präventiv einsetzen können," sagte Gerdts bei einer Veranstaltung des Unternehmens Pohl Boskamp. Betroffene sollten darüber aufgeklärt werden, wann und wie sie ihr Nitrat präventiv einsetzen können. Gerdts: "Die meisten Patienten wissen ganz genau, wo ihre kritische Schwelle für einen Anfall liegt." Lässt sich die Belastung nicht vermeiden, sollten die Patienten ein schnell wirksames Nitropräparat (etwa Nitrolingual®) anwenden.

Mit Blick auf die bevorstehende Fußball-EM empfahl Gerdts, dass Fans mit KHK bereits vor dem Anpfiff einer auf- regenden Partie ihr Akut-Nitrat einnehmen sollten. Denn: Eine Auswertung der Münchener Rettungseinsätze während der Fußball-WM 2006 ergab, dass bei Einsätzen der deutschen Elf die Rate der Notfall-Alarmierungen wegen Herzinfarkt, Angina pectoris und akutem Koronarsyndrom stark gestiegen war - und das bereits in den ersten Minuten eines Spiels.

*Courage: Clinical Outcomes Utilizing Revascularization and Aggressive Drug Evaluation

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