Hochdosiertes Desloratadin stoppt Kältequaddeln

FRANKFURT/MAIN (hbr). Antihistaminika helfen Patienten mit chronischer Urtikaria oft nur begrenzt. Nach neuen Daten werden durch eine deutliche Steigerung der Desloratadin-Standarddosis von 5 mg auf 20 mg die Symptome einer Kälteurtikaria weitgehend reduziert.

Veröffentlicht:

Die bei Patienten mit erworbener Kälteurtikaria entstehenden Quaddeln waren mit der höheren Dosis nicht einmal halb so groß wie mit der bislang empfohlenen Dosierung. Das berichtete Professor Marcus Maurer von der Charité Berlin bei einer Veranstaltung von Essex in Frankfurt am Main.

An der Crossover-Studie AUDACU* nahmen 30 Patienten teil, die seit mindestens sechs Monaten eine Kälteurtikaria hatten. Sie erhielten jeweils drei Wochen lang täglich Desloratadin (Aerius®) in der Dosis von 5 mg oder in der vierfachen Dosis von 20 mg oder Placebo. Anschließend wurde ein lokaler Kältereiz von 4°C gesetzt.

Verglichen wurden die durch die Entzündungsreaktion überwärmte Hautfläche und das Quaddelvolumen. Das Volumen betrug sowohl unbehandelt als auch mit Placebo etwa 1100 mm³. Täglich 5 mg Desloratadin verringerten wie erwartet die Reaktion deutlich auf rund 400 mm³. Mit 20 mg verschwanden die Beschwerden dann fast vollständig: Im Mittel entstanden nur noch Quaddeln von 100 mm³. Auch die überwärmte Hautfläche verringerte sich mit steigender Dosis.

Mehr hilft also offenbar mehr. Ganz deutlich wurde das bei einem 62 Jahre alten Patienten: Seine Schwellentemperatur für Urtikariasymptome betrug 25°C. Sie sank mit einer Tagesdosis von 5 mg zunächst auf 14°C. Mit 20 mg traten gar keine Symptome mehr auf.

"Das ist die erste Studie, die belegt, dass höhere Dosen deutlich besser wirken als die Standarddosis und dass die Beschwerden bei deutlich mehr Patienten vollständig zurückgehen", betont Maurer.

Die Daten könnten also mehr Sicherheit in der Verschreibung bedeuten. Denn Urtikaria-Patienten profitierten zwar auch bisher schon von der Ersttherapie mit nicht-sedierenden Antihistaminika in Standarddosierung. Völlig symptomfrei wurde damit aber nur ein Teil von ihnen, nämlich nur 43 Prozent in 16 überprüften Studien, sagte Maurer. Für die Empfehlung der Leitlinien, bei ungenügendem Ansprechen die Dosis zu vervierfachen, habe es bis jetzt keine Belege gegeben.

AUDACU: Aerius updosing in aquired cold urticaria

STICHWORT

Kälteurtikaria

Bei Kälteurtikaria führt der Kontakt der Haut mit Kälte zu juckenden Quaddeln. Der Begriff Kälte ist allerdings relativ, denn die Schwellentemperatur variiert individuell stark.

So beginnen die Beschwerden bei manchen Patienten schon 4°C unterhalb der Hauttemperatur von rund 35°C. Je höher der Schwellenwert, um so stärker sind die Auswirkungen im Alltag. Viele Patienten haben Grenzwerte von 20°C und darüber. "Sie müssen Hauttemperaturen unter 20°C vermeiden", erläuterte Maurer. Das bedeutet nicht nur den Verzicht auf Skiurlaub und kalte Nahrung: Es beeinflusst alle Lebensbereiche und erfordert zum Beispiel beheizte Toilettensitze und vorheizbare Autos. (hbr)

Mehr zum Thema

Orale Hyposensibilisierung

Arzneimittel gegen Erdnussallergie wird vom Markt genommen

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview mit Johanna Ludwig von der gematik

Digitale Prozesse in der Arztpraxis neu denken

Differenzialdiagnosen im Blick

Hängendes Augenlid – Schauen Sie auch auf die Pupillen!

Lesetipps
Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist