Influenza

Höchste Eisenbahn für Grippe-Impfung

An Folgen einer Influenza sterben in Deutschland mehr Menschen als im Straßenverkehr. Vor allem ältere Personen und chronisch Kranke sowie Menschen in medizinischen Berufen sollten daher geimpft werden, betonen Virologen.

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An Menschen in medizinischen Berufen wird appelliert, sich in den nächsten Wochen gegen Grippe impfen zu lassen.

An Menschen in medizinischen Berufen wird appelliert, sich in den nächsten Wochen gegen Grippe impfen zu lassen.

© emeraldphoto / fotolia.com

ULM. Die beste Zeit für die Grippe-Impfung ist in Deutschland Ende Oktober bis Anfang November, sagt der Präsident der Gesellschaft für Virologie (GfV), Professor Thomas Mertens.

Das STIKO-Mitglied und seine Kollegen von der GfV und der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) fordern jetzt insbesondere das medizinische Personal auf, sich impfen zu lassen.

Damit schützen sie sich selbst und ihre Patienten, heißt es in einer Mitteilung der Organisationen. Zudem werde die Patientenversorgung bei Grippewellen durch den Schutz gewährleistet.

Impfung möglichst erst ab Ende Oktober

Die Zahl der Todesopfer infolge von Grippe werde in Deutschland auf jährlich 5000 bis 10.000 geschätzt, so die Organisationen.

"Bei Älteren oder Menschen mit chronischen Erkrankungen kann die Immunreaktion reduziert sein, sodass der Impfschutz weniger effektiv ist als bei gesunden Personen oder sogar unter 50 Prozent liegt", so GfV und DVV.

Entscheidend für einen guten Schutz ist auch der Zeitpunkt der Impfung: Im Alter entwickeln sich nach einer Influenza-Immunisierung zwar Antikörper, ihre Zahl nimmt aber rascher ab als bei jüngeren Menschen.

Deshalb sollte die Impfung möglichst erst Ende Oktober erfolgen, so der Virologe am Universitätsklinikum Ulm.

Bei Menschen mit Immundefekten spielt der Zeitpunkt der Impfung ebenfalls eine wichtige Rolle.

Nach einer Stammzell- oder einer Organtransplantation spricht sich die STIKO für eine Influenzaimpfung erst nach sechs Monaten aus, bei Aids oder Leberzirrhose wird zu einer jährlichen Impfung im Herbst geraten.

Dies gilt auch für Patienten, die bei einer Chemotherapie oder einer chronischen Erkrankung wie Rheuma Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken.

Totimpfstoff kann keine Grippe auslösen

Befürchtungen, dass die Impfung bei diesen Patienten eine Grippe auslöst, tritt Mertens entgegen: "Eine Grippe kann der Totimpfstoff nicht auslösen und der Schutz des Einzelnen und der Bevölkerung vor einer Influenza überwiegt bei Weitem das Risiko von Nebenwirkungen, welches bei den verwendeten Impfstoffen sehr gering ist. Es sollte auch daran gedacht werden, Haushalts-Kontaktpersonen von Immunsupprimierten zu impfen. Die Wirksamkeit der Impfstoffe muss zukünftig jedoch weiter optimiert werden."

Der Grippe-Impfstoff mit Wirkverstärker (MF59) soll für mehr schützende Antikörper gegen Grippeviren sorgen. "Die verstärkende Wirkung ist da, jedoch nicht ganz so stark wie erhofft", sagt der GfV-Experte.

Fortschritte wurden auch bei jungen Menschen gemacht: Für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren empfiehlt die STIKO in diesem Jahr erstmals einen Influenza-Lebendimpfstoff. Er wird in die Nase gesprüht und vermittelt eine gute Immunantwort.

Bei älteren Menschen ist der Lebendimpfstoff allerdings weniger effektiv. "Wir gehen davon aus, dass diejenigen, die schon einmal mit Influenza infiziert waren, auf den Lebendimpfstoff nicht so gut ansprechen."

Die Entwicklung neuer Influenza-Impfstoffe sei daher weiterhin notwendig, um gerade bei diesen Risikogruppen Krankheitsfälle zu verringern, fordern die Experten der GfV und DVV. Sorge bereitet die schlechte Impfbeteiligung unter medizinischem Personal.

Laut einer aktuellen Studie liegt diese bei weniger als 30 Prozent. "Dadurch werden die Mitarbeiter und Patienten unnötigen Gefahren einer Erkrankung ausgesetzt", kritisiert Mertens. (eb)

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